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FHS-Standpunkte: Herausforderung – näher zusammenrücken!

Immer massloser, immer mehr, immer gedrängter – platzt die Schweiz bald aus allen Nähten? Nach der Annahme der Initiative "Gegen Masseneinwanderung" steht nun die Analyse der Abstimmungsergebnisse im Zentrum der nationalen wie internationalen Diskussionen: Der sichtbarste Umbruch der letzten Jahre hat sich in den Agglomerationen vollzogen. Ein (zu) schneller Wandel vor der eigenen Haustür wird als Auslöser eines grossen Unbehagens und für den sogenannten "Dichtestress" gesehen. Als Folge wächst die Angst vor dem "Neuen", was sich in einem generell konservativeren Abstimmungsverhalten niederschlägt. Ein Unbehagen, das in den Agglomerationen aus Befürwortern der Personenfreizügigkeit Gegner derselben gemacht hat - so die vordergründigen Analysen (Longchamp GFS Bern). Allerdings steht dem gegenüber die Tatsache, dass die Dichte von Wohngebieten wenig mit dem Abstimmungsverhalten korreliert. Inwieweit diese widersprüchlichen Tendenzen geprägt sind vom politischen Klima und den Argumentationsweisen der Befürworter und Gegner der Initiative, werden weitere Analysen vielleicht aufzeigen können. Solche gegenläufigen Aspekte rücken eine grundsätzliche Frage der schweizerischen Siedlungsentwicklung ins Zentrum: Welche Auswirkungen hat das Zusammenrücken auf das Zusammenleben?

Die Nachbarschaft soll’s richten
Gerade in Agglomerationsgebieten sind in den letzten Jahren verdichtete, sozial durchmischte Wohngebiete entstanden, in denen einander fremde Menschen enger beieinander leben. Ohne die daraus entstehenden neuen Formen des Zusammenlebens zu berücksichtigen, wird in der Diskussion um Nachbarschaften weiterhin auf traditionelle Vorstellungen gesetzt. Wie im Dorf, in dem sich ein Bauernhof neben den anderen reihte, würden Solidarität und Nächstenliebe diesem sozialen Zusammenhang ebenso selbstverständlich entspringen wie Unterstützung im Alltag beim Einkauf, Blumengiessen oder im Krankheitsfall. Der nachbarschaftliche Alltag gestaltet sich jedoch weitaus differenzierter. Dies legen die Ergebnisse des von der FHS St.Gallen lancierten Forschungsprojekts "Soziale Nachbarschaften - Schlüsselfaktor einer Regionalentwicklung" nahe: Einerseits beeinflussen die bisherigen Erfahrungen eines Menschen, seine aktuelle Lebenssituation und die damit verbundenen Möglichkeiten seine Art, Nachbarschaft zu leben. Andererseits spielen die Gegebenheiten der gebauten Umwelt, z.B. die Gestaltung von Freiflächen oder die Anordnung der Wohneinheiten zueinander eine wichtige Rolle. Räumliche Nähe steigert zunächst das Konfliktpotential – es kann jedoch entschärft werden, u.a. indem durch bewusste bauliche Gestaltung sowie professionelle Begleitung vielfältige Formen des nachbarschaftlichen Zusammenlebens ermöglicht werden.

Vorausschauende, multiperspektivische Planung ermöglicht Nachbarschaft
Räumliche Nähe birgt auch Potential für neue Formen nachbarschaftlicher Solidarität. Um diese zu ermöglichen, müssen bereits in der Planung und der baulichen Ausgestaltung unterschiedliche Vorstellungen von Zusammenleben berücksichtigt werden. Deshalb sollte in aktuellen Verdichtungsprozessen nicht nur die Erhaltung ausreichender Landreserven für zukünftige Nutzungen bedacht werden, sondern ebenfalls die vielfältigen Nachbarschaftsformen angehender Bewohnerinnen und Bewohner. Nur so können verdichtete Wohnformen geschaffen werden, die vielfältige Formen nachbarschaftlicher Solidarität begünstigen und das Unbehagen vor dem "Neuen" abschwächen.
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