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FHS-Standpunkte: Männer in der Pflege

Von Dr. André Fringer*


Letzte Woche fand in St. Gallen ein „Boys’ Day“ statt. Dabei können sich junge Männer ein Bild von traditionellen Frauenberufen wie Pflege, Erziehung und soziale Arbeit machen. Wann ist man Mann? Das gesellschaftliche Bild des Mannes scheint einen Imagewandel zu durchlaufen: Vom „Haupternährer“ der Familie zum fürsorglichen Papa mit flexiblen Karriereoptionen. Selbst in Berufen, von denen „Mann“ annimmt, sie seien nach wie vor Männern vorbehalten, vollzieht sich eine Veränderung – beispielsweise in der Medizin. Vor diesem Hintergrund muss der Blick zwangsläufig einmal auf einen frauendominierenden Beruf gelenkt werden. Wie steht es um Männer in der Pflege? Es gibt tatsächlich pflegende Männer. Überraschenderweise steigt die Zahl der Männer an, die ihre weiblichen Angehörigen betreuen und pflegen. Und in der professionellen Pflege? Internationalen Angaben zufolge liegt die Männerquote in Pflegeberufen bei etwa fünf Prozent.


Zentral in multiprofessionellen Teams
Mediziner sind wichtig: Sie stellen eine Diagnose und wissen, welche therapeutischen Wege möglich sind. Doch vor allem Pflegende sind imstande, dem Patienten und seiner Familie konkret zu zeigen, wie sie mit ihrer Krankheit tagtäglich zurechtkommen können. Hierzu braucht es mehr als klinisches Denken. Praktisches Wissen, Gesprächsführung und Krisenbewältigung sind gefragt. Und dafür werden Pflegende hoch professionell ausgebildet. Keine andere Berufsgruppe ist so nah, so kontinuierlich und intensiv am Patienten verantwortlich tätig wie Pflegefachpersonen. Dieses Privileg führt dazu, dass die Pflege innerhalb der Gesundheitsberufe eine zentrale Position im multidisziplinären Team um den Patienten einnimmt. Die akademische Entwicklung der Pflege mag vielen systemfremd erscheinen. Das ist normal und wird sich legen. Doch grundsätzlich antwortet die Professionalisierung der Pflege auf ein starkes gesellschaftliches Bedürfnis – auf die Forderung nach der besten gesundheitlichen Versorgung.


Engel in Weiss?
Das Bild einer dem Arztberuf untergeordneten „Schwester“ hat sich hartnäckig in den Vorstellungen eingeprägt. Pflege hat in der Schweiz noch nicht überall das Bild, das ihr eigentlich gebührte. Dies wirkt sich nachteilig auf den bereits bestehenden Personalmangel aus. Doch Pflege ist auch Jobmotor! Pflegerische Berufe sind krisensicher und bieten vielseitige Tätigkeitsfelder mit unterschiedlichsten Spezialisierungen. Höchste Zeit, Klischees über die Pflege wie „Handlanger der Ärzte“ oder „Engel in Weiss“ durch ein realistisches Bild zu ersetzen. Was macht Pflege heute aus? Die Antwort lautet: Eine erstklassige Ausbildung auf akademischen Niveau, hohe Professionalität, Arbeitszufriedenheit und Ansehen bei denen, die mit Pflege in Berührung gekommen sind.


Positive Wirkung
Aufgrund meiner beruflichen Erfahrung ist Pflege ein „cooler“ Beruf mit unzähligen Entwicklungschancen. Profundes Wissen und eine exzellente Ausbildung sind gefragt. Eine Pflegefachperson muss eine Vielzahl an persönlichen Entwicklungsschritten durchlaufen. Sichtbar wird dies an den neuen Abschlüssen Bachelor und Master in der Pflege. Unzählige internationale Studien zeigen zudem, wie effektiv die heutige Pflegeausbildung ist: Die Patientensterblichkeit sinkt, es gibt deutlich weniger Komplikationen und Folgeerkrankungen im klinischen Umfeld – und das wirkt sich auch auf die Verweildauer im Spital aus und somit auf die Gesundheitskosten. Bachelor oder Master in Pflege sind nichts „Exotisches“, sondern seit über 80 Jahren in den USA, Kanada, England und Skandinavien eine Selbstverständlichkeit.


Wie der „Boys’ Day“ zeigte, hat die heutige Schülergeneration unvoreingenommenes, echtes Interesse am Pflegeberuf. Sie haben die Chance, der Pflege ein neues, modernes Image zu geben: Ich bin ein Mann, weil ich Vater, Pflegefachperson und Wissenschaftler bin.



* Dr. André Fringer ist Projektleiter am Institut für Angewandte Pflegewissenschaft IPW der FHS St.Gallen und Studiengangsleiter des Weiterbildungsmasters Palliative Care.
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