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FHS-Standpunkte: Integration und Partizipation – vor allem eine Frage der Perspektive

Migrantinnen und Migranten wird immer wieder unterstellt, dass sie sich nicht integrieren wollen. Mangelnder Integrationswille wird häufig an Sprachschwierigkeiten oder einer unzulänglichen Anpassung an bestehende Rechts-, Werte- und Normsysteme festgemacht. Migrantinnen oder Ausländer hätten folglich nur wenig Interesse am Besuch von Sprachkursen und würden sich auch nicht an (selten vorhandenen!) politischen Gefässen der Mitsprache beteiligen. Eine Studie des Instituts für Soziale Arbeit IFSA der Fachhochschule St.Gallen (FHS), welche die Partizipation von Migrantinnen und Migranten in sieben Städten der Bodenseeregion untersuchte, hinterfragt gängige Sichtweisen dieser Art und eröffnet neue Perspektiven auf das Thema.

Verlust der Integrationskraft tradierter Partizipationsformen
Im öffentlichen Diskurs wird kaum definiert, was denn als angemessene Teilhabe – oder Partizipation – anerkannt wird. Gemeinhin dienen zur Orientierung noch immer traditionelle Beteiligungsformen wie das Engagement in Vereinen, Politik oder Kirche. Jenen Integrationsinstanzen also, die in der Krise stehen, wie Diskussionen zu mangelnder Freiwilligenarbeit, Politikverdrossenheit oder Kirchenaustritten verdeutlichen. Die Fokussierung auf diese Partizipationsformen birgt die Gefahr, allgemeinen gesellschaftlichen Phänomen des gesellschaftlichen Wandels wie der Veränderungen von Geselligkeits- und Vergemeinschaftungsformen auf „die Anderen“, d.h. „die Migrantinnen und Migranten“ zu übertagen, anstatt es als eigenes Thema anzugehen.

„Die Anderen“ gibt es so nicht
Die Vorstellung von „nicht integrationswilligen Anderen“ geht darüber hinaus von fragwürdigen Vereinheitlichungen aus. Was haben ein in der Schweiz aufgewachsener „Secondo“ mit einer im Pflegebereich arbeitenden Frau gemeinsam, die täglich Mutterfunktionen für ihre in Polen gebliebenen Kinder gewährleisten muss? Ist es legitim einer deutschen Oberärztin den gleichen Unwillen zu unterstellen, sich am Vereinsleben zu beteiligen, wie einem arbeitslosen Ingenieur aus Nordafrika? Oder ist die junge Schweizer Globalisierungsgegnerin, die aus der Kirche austrat, weniger integriert als ihre Eltern? Diese Beispiele verdeutlichen, dass sich in einer zunehmend pluralisierten Gesellschaft unterschiedliche Menschen auf ihre ganz eigene individuelle Art am Gesellschaftsleben beteiligen. Damit stellt sich die Frage, ob Kategorien wie „Ausländer“ oder „Einheimische“, die im Partizipationsdiskurs allgegenwärtig sind, überhaupt von Relevanz sind. Sind es tatsächlich generell Personen mit Migrationshintergrund, bei denen eine zu geringe Partizipation feststellbar ist? Ist ein Mehr an Partizipation nicht auch von Personen ohne Migrationshintergrund erforderlich?

Transparenz bezüglich Gestaltungsmöglichkeiten
Neben dieser zu hinterfragenden Unterscheidung zwischen „fremd“ vs. „einheimisch“ müssen auch unterschiedliche Partizipationsformen hinsichtlich der Gestaltungsmöglichkeiten der Beteiligten differenziert werden. Geht es in erster Linie um Information der Beteiligten oder haben diese tatsächliche Mitentscheidungsrechte und damit verbunden auch Mitverantwortung? Oftmals ist es für die Beteiligten unklar, was denn bei ihrer Mitwirkungsmöglichkeit tatsächlich zur Disposition steht. Besteht auch die Bereitschaft, Mitentscheide von Menschen mit weniger gesetzlich verankerten Rechten (Kinder, Menschen ohne Schweizer Pass) zuzulassen?

Potential verdeckter Engagementformen
Eine radikal pluralistische (und möglicherweise zeitgemässere?) Perspektive auf gesellschaftliche Partizipation könnte auch Formen sozialen Handelns, die in gängigen Denkmustern als desintegriert oder nicht-partizipierend wahrgenommen werden, als integrierende Phänomene erfassen. Das Herumhängen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf öffentlichen Plätzen wäre dann beispielsweise eine gruppenspezifische Form gesellschaftlicher Partizipation – oder man könnte darin zumindest ein Potential gesellschaftlicher Partizipation entdecken, das allenfalls gezielt zu fördern wäre.

Prof. Dr. Christian Reutlinger ist Forschungsleiter des Instituts für Soziale Arbeit IFSA und des Kompetenzzentrums Soziale Räume der FHS St.Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften.
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