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Unternehmensspiegel Ostschweiz Appenzellerland: Innovation ist Mannschaftssport

Damit eine Idee zur Innovation wird, müssen viele Anforderungen erfüllt sein. Am 8. Unternehmensspiegel Ostschweiz Appenzellerland lernten die Zuhörer eine Auswahl dieser Anforderungen kennen und erfuhren, wie KMU mit ihnen umgehen können.

Die Bedeutung von Innovation erklärte Prof. Dr. Roland Waibel, Leiter des Instituts für Unternehmensführung an der Fachhochschule St.Gallen, bereits in einem seiner ersten Sätze: Im Hochpreisland Schweiz sei Innovation die einzige Möglichkeit, sich einen Spielraum für die Preisgestaltung zu schaffen. Und wenn die Schweiz auch immer noch zu den innovativsten Ländern zähle, so gebe es Anzeichen, dass sie an Vorsprung einbüsse, monierte Marianne Koller-Bohl, Regierungsrätin Appenzell Ausserrhoden in ihren Begrüssungsworten mit etwas Besorgnis. Am 8. Unternehmensspiegel Ostschweiz Appenzellerland erhielten die knapp 300 Teilnehmenden inspirierenden Input, wie Innovation auch in Gewerbebetrieben gefördert werden kann. Die Veranstaltung fand am 21. März im Hotel zur Linde in Teufen statt.

Finden, was man gar nicht gesucht hat
Die Herausforderung bei der Innovation sei nicht unbedingt die Idee, so Waibel, sondern viel mehr, wie mit der Idee umgegangen wird: «Beim Tagesgeschäft geht es darum, möglichst effizient zu sein und keine Fehler zu machen. Das ist aber das genaue Gegenteil von Innovation, die durch Ausprobieren und Scheitern entsteht.» Entsprechend könne keine Firma gleichzeitig hoch innovativ und hoch effizient sein, so eines der Fazits der Veranstaltung. Mit dem Ausprobieren gehen ein paar andere Bedingungen einher, die für Innovation zentral sind: So müsse das Scheitern in der Unternehmenskultur akzeptiert sein und das Lernen als wertvollen Teil des Scheiterns erkannt werden. Nur so würden die Mitarbeitenden etwas ausprobieren, sich einer Idee vertieft widmen oder eine Opportunität erkennen und verfolgen.

Innovation entstehe eben durch Zufälle oder Serendipität, also wenn etwas gefunden wird, wonach man gar nicht gesucht habe, erklärt Waibel. Dies fördere das Unternehmen 3M beispielsweise dadurch, dass sie ihre Mitarbeitenden zu Treppenhaus- und Kaffeegesprächen verpflichtet, weil im Gespräch und im Team Neues entsteht. Womit auch ein weiterer Mythos entkräftet werde, so Waibel: Es sind nicht die genialen Daniel Düsentriebs, die mehrheitlich für Innovation verantwortlich sind, sondern vernetzte Personen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Kenntnissen, die zusammen etwas erarbeiten. Innovation sei ein Mannschaftssport.

«No risk, no fun!»
Selbst wenn Innovation nicht von Düsentriebs kommt, so nützt es doch, solche Personen im eigenen Unternehmen zu wissen.. Markus Wetter, Inhaber der Spezialitäten Metzg Wetter & Appenzeller Milch AG scheint einen solchen Antrieb zu haben, wie er in seinen sprühenden Ausführungen in der Podiumsdiskussion sagte. Er sei überzeugt, dass es für Innovation Mut und Beharrlichkeit brauche und er beanstandete, dass es den jüngeren Mitarbeitenden an beidem fehle. «No risk, no fun!» lachte er. Auch würde er am liebsten ständig irgendwelche Experimente durchführen. «Ich habe bis zu 100 Ideen im Jahr.» sagte Wetter, schätze sich jedoch glücklich, wenn er die Mittel dafür habe, zwei bis drei davon umzusetzen.

Die notwendige Kultur für Innovation wurde bezüglich verschiedener Aspekte vertieft. Hannes Nägeli, Inhaber der Nägeli AG Holzbau, Gais sprach davon, wie es ihm gelingt, seine Mitarbeitende langfristig an das Unternehmen zu binden. Dazu notwendig sei die Freude am Job – und das gelinge, indem den Mitarbeitenden eine sinnvolle Arbeit zugeteilt werde: Jeder Mensch habe Fähigkeiten und es gebe somit auch für jeden Menschen die richtigen Jobs. Hiermit schlug er auch die Brücke zum letzten Teil der Veranstaltung, indem beleuchtet wurde, unter welchen Umständen Mitarbeitende bis zum regulären Pensionsalter oder sogar darüber hinaus gewillt sind zu arbeiten. «Solche innovativen Arbeitsmodelle seien notwendig», erklärte der Rektor der FHS St.Gallen Prof. Dr. Sebastian Wörwag, da bereits in den nächsten Jahren mehr Personen per Pension aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden würden als in den Markt einsteigen. In einer Umfrage hätte sich gezeigt, dass der Arbeitsinhalt eine grosse Rolle spiele: Je sinnvoller die Arbeit, umso länger die Bereitschaft zu arbeiten. Und was zeichnet die Sinnhaftigkeit aus? Zum Beispiel etwas im Unternehmen bewegen oder Ideen umsetzen zu können, womit sich der Kreis zur Innovation schloss.
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