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Die Sinne ansprechen, um das Personsein zu bewahren

Der Mensch mit Demenz «mit allen seinen Sinnen» stand im Zentrum des vierten St.Galler Demenz-Kongresses, initiiert durch die Fachstelle Demenz der Fachhochschule St.Gallen. Je mehr die kognitiven Fähigkeiten verloren gehen, desto wichtiger ist es, Menschen mit Demenz durch nonverbale Kommunikation und durch angenehme Sinneswahrnehmung anzusprechen. Dadurch kann sich die Lebensqualität der Betroffenen erhöhen.

«Die Sinne zu pflegen, ist wichtig ‒ durch einen schönen Anblick, einen angenehmen Geruch, ein ansprechendes Bild oder eine Umarmung», sagt Prof. Dr. Wilhelm Schmid, Universität Erfurt. Menschen mit Demenz würden die Orientierung in Raum und Zeit verlieren und werden so «heimatlos». Umso wichtiger sei es, ihre Sinne anzusprechen und ihnen «Heimat in gefühlsbestimmten Situationen» zu geben. «Sinn ist dort, wo ich mich angenommen fühle», sagt Professor Schmid. Ein wohltuendes Sinneserlebnis für Menschen mit Demenz kann auch Musik sein, wie Prof. Dr. Theo Hartogh der Universität Vechta, betonte. «Musik ermöglicht, ohne Worte Emotionen und die Persönlichkeit auszudrücken. Zugleich hat Musik einen beruhigenden Einfluss. Wir konnten sogar beobachten, dass agiertes Verhalten nach etwa zwanzig Minuten nachlässt, wenn Menschen mit Demenz Musik hören.» Eine Heimbewohnerin mit Demenz erlebte gemeinsames Singen und Musizieren als «eine glückliche Zeit». Musik dient dem Erhalt der persönlichen Identität, so Professor Hartogh. Er ermutigte das Publikum, Musik in die Pflege von Menschen mit Demenz einzubeziehen.

Sinnerfüllend pflegen und Sinn spürbar machen
Wer bin ich? Je weiter Demenz fortschreitet, desto weniger können Betroffene diese Frage beantworten. Besonders wichtig sind deshalb Sinneserfahrungen, die es ermöglichen, «sich selbst zu spüren». Essen als sinnliches, genussvolles Erlebnis kann bedeutend zur Lebensqualität von Menschen mit Demenz beitragen. Die Kongressteilnehmenden lernten vielfältige Möglichkeiten kennen, wie sie pflegerelevanten Ernährungsproblemen wie Appetitlosigkeit und Geschmacksstörungen begegnen können. Auch Nähe und Sexualität bei Personen mit Demenz kam auf dem Kongress zur Sprache. Über das häufig noch tabuisierte Thema «Sexualität in Alterseinrichtungen» berichteten Prof. Dr. Ian Needham, Psychiatrische Klinik, Wil und Michaela Simonik, Psychiatrische Klinik, Wil. Sinnfindung in Religiosität und Spiritualität stand im Zentrum des Vortrags von Prof. Dr. Barbara Städler-Mach, Evangelische Hochschule, Nürnberg. Was gibt Halt, wenn ich vergesse, was Halt gibt? Im Rahmen einer Studie zeigte sich, dass Menschen mit Demenz durchaus in ihrer Religiosität Halt finden ‒ auf emotionale, sehr persönliche Weise. Sinn erleben durch Märchenerzählen ‒ auch das kann ein Weg sein, Menschen mit Demenz Halt und Orientierung zu ermöglichen. «Es war einmal …» ‒ diese aus der Kindheit vertrauten Worte können für Personen mit Demenz eine heilsame Bedeutung erhalten.

Sinn für Humor im Pflegealltag bewahren
«Sich selbst mit Komik zu sehen, eine spielerische und gelassene Haltung einnehmen und eine positive Seite auch in ernsten Situationen bewahren» ‒ zitierte Prof. Dr. Gabriela Stoppe den Humorforschungspionier Paul McGhee. Sinn für Humor könne in manchen Situationen bei der Pflege von Menschen mit Demenz wohltuend wirken, sagt die Präsidentin der Stiftung Humor und Gesundheit . Untersuchungen würden belegen, dass Humor das Glücksempfinden erhöht. «Agitiertes Verhalten, Angst und Depression reduzieren sich deutlich». Bei Menschen mit Demenz bleibe der Sinn für Humor lange erhalten. Respektvoller, behutsamer Humor könne somit eine unverhoffte Hilfe sein ‒ für Menschen mit Demenz und die Betreuenden. Heiterkeit und Lachen machen Mut, aktivieren die Selbstheilungskräfte und können ungeahnte Ressourcen wecken. Zugleich vermitteln sie das Gefühl, dazuzugehören und tragen zur sozialen Teilhabe bei. Humor bewahren und pflegen ‒ dies gehört zu den wichtigsten Aspekten einer sinnerfüllenden Pflege für Menschen mit Demenz.

Viventis-Pflegepreis geht nach Zürich
Den diesjährigen Pflegepreis der Viventis-Stiftung, der jährlich am St.Galler Demenz-Kongress verliehen wird, holte sich das Pflegezentrum „Mattenhof, Irchelpark“ der Stadt Zürich. Das Projekt mit dem Namen „Smoothfood“ etabliert hochwertige Kost in Form von neuen Menüs für Menschen, die nicht mehr richtig essen können oder die Nahrungsaufnahme verweigern. Konkret sind es fünf unterschiedliche Mahlzeiten, die den üblichen Menüplan in Heimen qualitativ erweitern. Der Preis ist mit 10‘000 Franken dotiert und wurde von Susi Saxer, Leiterin der Fachstelle Demenz der FHS St.Gallen und Frau Rita Fuhrer, Stiftungsrätin der Viventis Stiftung, an den Initianten und Koch Patrik Voggenhuber übergeben.

Weitere Informationen, Bilder sowie Unterlagen zu den Referaten des St.Galler Demenz-Kongresses finden Sie unter: www.demenzkongress.ch
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