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FHS-Standpunkte: Anlegen im 2014 – Branchenfallen vermeiden

2013 wird als sehr erfolgreiches Börsenjahr in die Annalen eingehen. Nach dem letzten, durch die Finanzkrise verursachten massiven Börseneinbruch sind die Kurse substanziell noch oben geklettert. Allerdings sind viele Anleger vorsichtig geworden und haben die aktuelle Hausse bisher verpasst. Niemand weiss, ob die Börsenparty weitergehen wird. Die Bewertungen indizieren jedoch bei den meisten Indikatoren ein "faires" Terrain. Und so stellen sich mit dem Start des neues Jahres einige Fragen: Wie anlegen? Kann man noch einsteigen? Und wenn ja, worauf setzen?

Die hochverschuldeten Industriestaaten in den USA, Europa und Japan können sich höhere Zinsen nicht leisten, und so wird die Geldschwemme der Nationalbanken mit Nullzinsen auf absehbare Zeit weitergehen. Da die Niedrigzinsen kaum die Inflation decken, sind alle Nominalwerte in Geld unattraktiv, das heisst Obligationen und sonstige zinstragende Instrumente. Also bleiben die nicht geldbasierten Realwerte: Rohstoffe, Immobilien, Aktien.

Aktien als Beteiligungspapiere an realer Wertentwicklung können zwar beträchtlich schwanken, zeigen aber weltweit über Jahrzehnte – und so lange ist idealerweise der Anlagehorizont – eine durchschnittliche Rendite von sechs bis neun Prozent pro Jahr. Will man entsprechend auch auf Aktien setzen, gehört in ein gut diversifiziertes Portfolio ein substanzieller Anteil an breit gestreuten Qualitätsaktien.

In welche Aktien soll man dann investieren? Wie so oft bei komplexen Themen kann die Wissenschaft besser sagen, was man nicht tun sollte. Eine neuere Studie von Lucatelli hat die globalen Wertvernichtungsbranchen der letzten Dekade identifiziert: Lebensversicherungen, Investmentbanken, Fussballclubs und Fluggesellschaften. Grundsätzlich Vorsicht geboten ist bei Branchen mit starker staatlicher Regulierung wie z.B. Banken, Versorger oder Pharma (Roche und Novartis sind hier weltweit löbliche Ausnahmen) oder kapital- und wettbewerbsintensive Branchen (wie Telekom und Auto, wobei es auch hier Wertschöpfer wie VW oder BMW gibt).

Ein Investment in Lebensversicherer hat bisher keine Freude gemacht. Die Wertschöpfung kommt primär den Versicherten zu Gute und nicht den Aktionären. Investmentbanken lassen dagegen den grössten Teil ihrer Wertschöpfung ihren Mitarbeitern, besonders dem Management, in Form von exorbitanten Löhnen und Boni zukommen. Deshalb: Hände weg von Investmentbanken! Es lohnt sich nur, bei ihnen zu arbeiten. Bei Fussball- gesellschaften ist es kein Zufall, dass viele Clubs reiche Mäzene im Rücken haben, welche die Defizite ausgleichen. Fussball ist eine Herzensangelegenheit, deshalb wurden die meisten Clubs vor mehr als 100 Jahren als Vereine ohne Gewinnziele gegründet. Seit der Umwandlung in Aktiengesellschaften profitieren vor allem die Spieler von Erfolgen, während der Aktionär die finanziellen Einbussen trägt. Fluggesellschaften verhalten sich, ähnlich wie die Lebensversicherer, eher wie Genossenschaften als AGs. Der Kunde steht via tiefe Preise und Vielfliegerprogramme im Mittelpunkt, während die fixkosten- und kapitalintensiven Gesellschaften vor allem durch gigantische Wertvernichtung auffallen.

In welche Aktien soll man dann investieren? Es ist kein Zufall, dass unter den grössten Wertschaffern der letzten Dekade eigentümerorientierte Aktiengesellschaften auftauchen, bei denen Familien oder Stiftungen die Kontrolle ausüben. Oft sorgen diese für eine betont langfristige und nachhaltige Sichtweise und es bestehen weniger Interessenkonflikte zwischen Aktionären und Management. Zu den grössten Wertschöpfern der vergangenen zehn Jahre gehörten beispielsweise Roche, Swatch, Schindler, Kühne & Nagel, Geberit und SGS in der Schweiz, BMW, SAP, Fielmann, Inditex (Zara), L’Oréal, Estée Lauder in Europa sowie Amazon und Google in den USA. Auch wenn sich aus der Vergangenheit nicht auf die Zukunft schliessen lässt, gibt es gute Gründe, auch weiterhin auf solche eigentümerorientierte Aktien zu setzen.

Roland Waibel ist Professor für Betriebswirtschaft an der FHS St.Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, und leitet dort das Institut für Unternehmensführung.
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