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Schweizer Bildungsforum: St.Galler Hochschulrektoren diskutieren über Studierfähigkeit

Dialog zwischen Maturitäts- und Hochschulen fördern

„Was sind gute Studierende – und wie gut sind diese?“ Über diese Fragen diskutierten am zweiten Schweizer Bildungsforum die drei St.Galler Hochschulrektoren mit Bildungsdirektor Stefan Kölliker und Bildungsexperten. Die Gymnasien und Berufsmittelschulen machten eine gute Arbeit, es gebe aber Handlungsbedarf bei den Fachkompetenzen der Studierenden, hiess es. Zudem brauche es einen stetigen Austausch mit den Maturitätsschulen.

An ihrem zweiten Schweizer Bildungsforum begrüsste die Fachhochschule St.Gallen (FHS) gegen 150 Gäste aus der Bildungswelt und der Politik im Pfalzkeller. Der St.Galler Bildungsdirektor, Regierungsrat Stefan Kölliker, zeigte sich glücklich, dass im Kanton alle drei Hochschultypen vorhanden sind. Beim Thema Studierfähigkeit sprach er aber auch aktuelle Schwächen von Gymnasiasten an: Bei der Erstsprache, also Deutsch, und in der Mathematik gebe es Handlungsbedarf. Er sagte aber auch, dass es nicht darum gehe, möglichst viele, sondern die richtigen Studierenden an die Hochschulen zu bringen. „Die Gymnasialquote liegt in der Schweiz je nach Kanton zwischen 12 und 30 Prozent. In St.Gallen ist sie bei tiefen 13 Prozent. Die Regierung beabsichtigt aber, diese Quote nur leicht zu erhöhen“, so Kölliker.

„Pragmatische“ Interpretation der Studierfähigkeit
Zwei Input-Referate gingen auf die Studierfähigkeit von Maturanden ein. Der erste Referent, Prof. Dr. Franz Eberle, leitet die Lehrerinnen- und Lehrerbildung für Maturitätsschulen am Institut für Erziehungswissenschaften der Universität Zürich. Er plädierte für eine pragmatische Interpretation der allgemeinen Studierfähigkeit. Gymnasiale Maturandinnen und Maturanden müssten nicht zwingend in allen möglichen Studienfächer die notwendigen Fachkompetenzen mitbringen. Wichtig sei jedoch, dass sie über jenes Fachwissen und -können verfügen, das von vielen Studienfächern vorausgesetzt wird. Zu diesen „basalen“ fachlichen Studierkompetenzen gehören Erstsprache (Deutsch), Englisch, Mathematik sowie Informatik-Benutzerkompetenzen.

Vorbereitung aufs Hochschulstudium
Im zweiten Referat beleuchtete der Leiter des Zentrums für Hochschulbildung ZHB-FHS, Prof. Dr. José Gomez, die Sicht der Fachhochschulen aufgrund eigener Studien: „Der Anteil an Studierenden, die das Studium nicht erfolgreich abschliessen, hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Das liegt daran, dass der Studienerfolg primär von den studiengangspezifischen Fachkompetenzen abhängt und immer mehr Berufsmaturandinnen und -maturanden grosse Lücken in diesen Kompetenzen aufweisen. Zudem gibt es immer grössere Unterschiede im Fachwissen, das die Schülerinnen und Schüler mitbringen.“ Nicht alle, die über eine Berufsmatur verfügten, seien somit auch studierfähig. „Deshalb muss die Kernaufgabe der Berufsmittelschulen verstärkt darin gesehen werden, künftige Studierende auf ein erfolgreiches Studium an einer Fachhochschule vorzubereiten, also dafür zu sorgen, dass die Schülerinnen und Schüler hinreichende Fachkompetenzen erwerben“, forderte Gomez.

Zu wenig Forschungsdaten
Anschliessend diskutierten die drei Rektoren der St.Galler Hochschulen unter der Leitung von Moderator Prof. Dr. Iwan Rickenbacher. „Bei jenen Studiengängen, die über ein Assessmentjahr verfügen, erfolgen die Abbrüche bereits zu Beginn des Studiums“, erklärte Prof. Dr. Thomas Bieger, Rektor der Universität St.Gallen. Dies sei positiv zu werten. Ständerätin Brigitte Häberli brachte die Sicht der Politik ein: „Die Fragen, weshalb so viele Studierende scheitern, ist ein nationales Thema in der Politik. Studieren ist teuer, und deshalb hat das auch finanzielle Auswirkungen – hinzu kommt die Frustration bei den jungen Leuten.“
Brigitte Häberli hat einen Vorstoss eingereicht für mehr Transparenz in der Bildung. Hierbei waren sich die Experten und die Rektoren einig: „Gerade im Bereich der Fachhochschulen gibt es zu wenig Forschung auf nationaler Ebene“, bemängelte José Gomez.

Grosse Unterschiede
„Oft scheitern jedoch Studierende nicht aufgrund mangelnder Vorbereitung der Maturitätsschulen, sondern weil sie mit der neuen Situation – etwa dem Wohnortwechsel und dem Unterricht in Grossklassen – nicht zurechtkommen“, schätzte Thomas Bieger. Die FHS St.Gallen begleitet ihre Studierenden im Rahmen eines modernen Bildungskonzeptes, welches dem Umstand von mehr Selbststudium Rechnung trägt. „Wir fördern die Fähigkeit der Studierenden im fachlichen wie im überfachlichen Bereich, beispielsweise auch in selbstständigen Projektarbeiten.“, sagte FHS-Rektor Prof. Dr. Sebastian Wörwag. Sein Kollege von der Pädagogischen Hochschule, Prof. Dr. Erwin Beck ortete bei seinen Studierenden weniger Probleme mit der Studierfähigkeit im Allgemeinen, sondern vor allem mit fachlichen Unzulänglichkeiten in der deutschen Sprache. Regierungsrat Kölliker entgegnete, dass die Mängel bereits auf Primarstufe angegangen werden müssten. Die Erziehungsdirektorenkonferenz setze deshalb dort an.
Einigkeit herrschte bei allen Rektoren in Sachen Zusammenarbeit mit den vorgelagerten Schulen, also Berufsmittelschulen und Gymnasien. „Es braucht einen ständigen Dialog“, so Beck. Strukturellen Veränderungen bei diesen Schulen seien nicht nötig, aber man müsse der Frage nachgehen, weshalb es so grosse Unterschiede gebe. „Es ist nicht unsere Aufgabe fehlende Kompetenzen auszubessern.“ Sebastian Wörwag ergänzte: „Wenn wir unsere international herausragende Stellung des Bildungswesen behalten wollen, müssen wir einem optimalen Übertritt zwischen den Bildungsstufen ganz besondere Aufmerksamkeit schenken.“

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