Studieninhalte und Vertiefungen

Der Master in Sozialer Arbeit ist eine Kooperation der drei Fachhochschulen in Bern, Luzern und St.Gallen. Das für die Schweiz einzigartige Studium fördert den Austausch zwischen drei Hochschulstandorten in der Deutschschweiz. Mit der Einschreibung an einem Standort haben Sie Zugang zu drei Fachhochschulen und lernen deren Dozierende kennen. Ob Sie tatsächlich in alle drei Städte reisen, hängt von Ihnen ab. Jede Partnerin bringt ihre Stärken in die Kooperation ein. Insbesondere bietet im zweiten Teil des Studiums jeder Standort eine eigene Vertiefungsrichtung an. Die Themen der Vertiefungsrichtungen entsprechen Forschungsschwerpunkten der Standorte. Dies sorgt für einen optimalen Wissenstransfer von der Forschung zur Lehre.

  • Im Basisstudium werden Sie Ihr Wissen zu Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit vertiefen und erweitern. Zu den fünf Pflichtmodulen gehören Forschungsmethoden (FOM), Wissenschaftstheorie und Forschungsmethoden (WTF), Sozialpolitik im internationalen Vergleich (SIV), Theorie- und Methodenentwicklung der Sozialen Arbeit (TME) sowie Wandel und Innovationen in Organisationen (WIO).
  • Im Vertiefungsstudium setzen Sie sich mit den wissenschaftlichen Arbeitsweisen auseinander und erwerben Forschungskompetenzen. Zum Abschluss gibt es ein Projektmodul und Sie schreiben Ihre Master-Thesis.

Fokus «Transformation gestalten»

Als einendes Thema über die drei Schwerpunkte hinweg steht die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Transformationsprozessen und deren Gestaltungsmöglichkeiten zur Bewältigung sozialer Fragen. Mit dem gesellschaftlichen Wandel gehen neue soziale Problemlagen einher, welche sowohl vom modernen Sozialstaat, sozialen Organisationen wie Professionellen der Sozialen Arbeit in ihren diversen Handlungsfeldern neue Antworten und Lösungen erfordern. Die thematischen Schwerpunkte orientieren sich für die Auseinandersetzung an unterschiedlichen Perspektiven:  

Vertiefungsstudium St.Gallen

Thematischer Schwerpunkt St.Gallen "Profession gestalten und Einfluss nehmen"

Inhaltliche Schwerpunkte

St.Gallen richtet in seinem Themenschwerpunkt den Blick auf die durch die gesellschaftliche Transformation herausgeforderte Professionalität Sozialer Arbeit und ihre Handlungsoptionen. So unterliegt professionelles Handeln in Fallsituationen den Bedingungen von Komplexität, Nicht-Wissen und Risiko und steht unter verschärftem Handlungs-und Legitimationsdruck. Damit die Soziale Arbeit einen substanziellen Beitrag zur Bewältigung Sozialer Fragen leisten kann, muss sie einerseits aus einer gesamtgesellschaftlichen Perspektive heraus fundierte Analysen vornehmen und sich konstruktiv in den Meinungsstreit einbringen. Andererseits ist die Erarbeitung von Lösungsansätzen und professionelles Handeln geprägt von Prozessen der Organisation Sozialer Arbeit. Auf Basis organisationstheoretischer Grundlagen werden Organisationsformen und -prozesse dahingegen reflektiert, inwiefern diese Professionalität befördern oder behindern.

Thematische Module

  • Professionelle Einflussnahme (TS1) - 6 ECTS 
  • Professionalität (gut) organisieren (TS2) - 6 ECTS 
  • Entscheiden - Begründen - Verantworten (TS3) - 6 ECTS 

Thematischer Schwerpunkt Bern "Organisation, Führung und Kooperation"

Inhaltliche Schwerpunkte

Der gesellschaftliche Wandel beeinflusst die strukturellen Bedingungen im Sozialwesen. Neue Herausforderungen, wie die Zunahme an Anspruchsgruppen und damit zusätzlichen Schnittstellen, neue rechtliche Rahmenbedingungen oder der steigende Finanzierungsdruck, erfordern von Führungs- und Fachkräften der Sozialen Arbeit innovative Konzepte und Strategien zur erfolgreichen Erbringung ihrer Aufträge. Der Berner Schwerpunkt thematisiert die Handlungsmöglichkeiten von Führungs- und Fachleuten im spezifischen Kontext sozialer Organisationen. Fokussiert wird auf die Führung der Institutionen und die Steuerung fachlicher Prozesse. Einen weiteren Inhalt bildet die transdisziplinäre Kooperation in Prozessen, die die Zusammenarbeit von Führungs- und Fachleuten der Bereiche Soziales, Bildung, Justiz und Gesundheit erfordern. Zur Förderung der Gestaltungskompetenzen der Studierenden vermitteln die drei Module umfangreiches Wissen und Beispiele von Handlungsoptionen. 

Thematische Module

  • Wandel - Organisation Sozialer Arbeit im gesellschaftlichen Kontext (TB1) - 6 ECTS 
  • In Führung gehen - Gestalten und Entwickeln in sozialen Organisationen (TB2) - 6 ECTS 
  • Zusammenarbeiten - Transdisziplinäre Kooperation und Organisation (TB3) - 6 ECTS

Thematischer Schwerpunkt Luzern "Versorgungssysteme im Sozialstaat gestalten"

Inhaltliche Schwerpunkte

Luzern richtet in seinem Themenschwerpunkt den Fokus auf die Funktion der Sozialen Arbeit in einem sich verändernden Sozialstaat. Bewährte wohlfahrtsstaatliche Arrangements werden heute in Frage gestellt. Hier ist die Soziale Arbeit gefordert, konstruktive, aber auch kritische Antworten zu finden, mit denen die Aufträge und Leistungen des Sozialstaats gewährleistet werden können. Wichtig ist dabei zunehmend, dass alle beteiligten Akteurinnen und Akteure (z.B. Anbietende, Zivilgesellschaft) mit einbezogen werden. Gleichzeitig werden auch neue Formen der Lenkung und Steuerung (Governance) etabliert. Der Schwerpunkt beleuchtet die neuen Arrangements der sozialen Versorgung aus rechtlicher, politischer, ökonomischer und sozialräumlicher Perspektive. Die Studierenden erkennen Ermessens- und Handlungsspielräume professioneller Sozialer Arbeit und leiten Konsequenzen für die Gestaltung und Weiterentwicklung von Versorgungsangeboten ab. 

Thematische Module

  • Von der Herstellung sozialer Probleme oder "doing social problems" (TL1) - 6 ECTS 
  • Perspektiven der Nutzer*innen sozialer Arbeit (TL2) - 6 ECTS 
  • Planung und Steuerung von Leistungen im Sozialwesen (TL3) - 6 ECTS 

Zu Beginn des Masterstudienganges sind fünf Basismodule in beliebiger Reihenfolge zu besuchen. Sie dienen der Aneignung grundlegender Kenntnisse wissenschaftlichen Arbeitens und Forschens, der Vertiefung und kritischen Auseinandersetzung mit Theorien der Sozialen Arbeit und der Auseinandersetzungen mit den Auswirkungen des Sozialen Wandels auf Bezugsfelder der Sozialen Arbeit.

Forschungsmethoden (FOM)
Die Studierenden eignen sich grundlegende Kenntnisse in qualitativer Sozialforschung an. Besonders machen sie sich mit Methoden der Dokumenten- und Interviewanalyse vertraut. Diese sind in zweierlei Hinsicht von Bedeutung: zum einen für die berufliche Praxis, bspw. für das Verstehen eines Falls, zum anderen für die wissenschaftliche Erforschung dieser Praxis. Um die erlernten Methoden einzuüben, wird gemeinsam ein einfaches Forschungsprojekt durchgeführt.

Wissenschaftstheorie und Forschungsmethoden (WTF)
Im Rahmen des Moduls eignen sich die Studierenden grundlegende Kenntnisse in quantitativer Sozialforschung an und setzen sich mit wissenschafts- und erkenntnistheoretischen sowie forschungsethischen Fragestellungen auseinander. Sie erhalten eine Einführung in die verschiedenen Phasen des Forschungsprozesses der quantitativen Sozialforschung: Formulieren eines Forschungsproblems, Operationalisierung und Messung, Wahl des geeigneten Forschungsdesigns und der Stichprobenvariante, Datenerhebung und Datenanalyse. Das in der Veranstaltung erlernte Wissen bildet die Grundlage für das Wahlmodul „Quantitative Forschungsmethoden“.

Theorien und Methoden der Sozialen Arbeit (TME)
Theorien bilden eine zentrale Grundlage für die Soziale Arbeit. Mit ihren Aussagen und klar definierten Begriffen lässt sich die hoch komplexe Praxis systematischer erfassen und begründen. Im Zentrum des Moduls stehen unterschiedliche theoretische Begründungen der Sozialen Arbeit und ihre Bedeutung für aktuelle Fachdiskurse. Die Studierenden erhalten Einblick in die Vielfalt und das Potenzial der Theorieentwicklung in der Sozialen Arbeit.

Sozialpolitik im internationalen Vergleich (SIV)
Im Zentrum des Moduls stehen national und international unterschiedliche Konstellationen von Sozialpolitik. Die Studierenden erarbeiten sich die zentralen Begriffe und Konzepte der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Wohlfahrtsstaaten und Sozialpolitiken. Die internationale bzw. europäische Perspektive und der vergleichende Zugang ermöglichen ein vertieftes Verständnis davon, mit welchen Herausforderungen moderne Wohlfahrtsstaaten heute konfrontiert sind.

Wandel und Innovation in Organisationen (WIO)
Anspruchsvolle Tätigkeiten der Sozialen Arbeit bedingen die Gestaltung von Wandel, Entwicklung und Innovation in Organisationen. Deshalb bietet dieses Modul eine vertiefte Auseinandersetzung mit ausgewählten Theorien, Modellen und Handlungsansätzen zu den Themen Organisation, Management, Organisationswandel, Organisationsentwicklung und Innovation. Dabei wird ein Fokus auf die Soziale Arbeit und die für ihre Organisationen relevanten Rahmenbedingungen gelegt. Der Theorie-Praxis-Transfer wird mit praktischen Übungen vertieft und kritisch reflektiert.

Weitere Informationen finden Sie auf der gemeinsamen Webseite der drei Hochschulen zum Master in Sozialer Arbeit.