«Mir ist wichtig, etwas zu bewegen»

Aufgewachsen im «kleinen Dreiländereck», pendelt Patrick Roduner für seine Arbeit und in der Freizeit über die Landesgrenzen – und blickt politisch gerne über ebendiese hinaus. Auch nach seinem Master-Studium in Sozialer Arbeit möchte er jenen eine Stimme geben, die sonst wenig gehört würden.

«Ja – und jetzt?»: Im Frühling 2019, nach Abschluss seines Bachelors in Sozialer Arbeit, war das die Frage aller Fragen für Patrick Roduner. «Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass es mir nicht reicht, was ich im Bachelor-Studium gelernt hatte», erzählt der Rheintaler. Er wollte mehr. Mehr Wissen, mehr Tiefe, mehr Erkenntnisse. So startete er im Herbst 2019 mit dem Master-Studium in Sozialer Arbeit. Und wurde bislang nicht enttäuscht – «wobei ich auch feststellen musste, dass ich tendenziell mehr Arbeit investieren muss als im Bachelor-Studium.» Das Hirschmann-Stipendium, das überragende und gesellschaftlich engagierte Master-Studierende unterstützt, ermöglicht Patrick Roduner, dass er sich neben seinem 60-Prozent-Job die Zeit dazu nehmen kann. 

Über den Zivildienst zum Studiengang gefunden
Der 27-Jährige ist im «kleinen Dreiländereck» aufgewachsen, wie er sagt, zwischen der Schweiz, Österreich und Liechtenstein. Als Kind ist er mit seiner Familie oft umgezogen – wovon er heute profitiert. «Mir fällt es nicht schwer, mit anderen Personen in Kontakt zu treten. Zudem kann ich gut Abschied nehmen.» Patrick Roduner absolvierte die Kantonsschule in Sargans mit dem Schwerpunkt Musik und liebäugelte mit einem Gesangsstudium am Konservatorium. «Aber irgendwie wusste ich nicht, was ich im Anschluss damit machen sollte. Musiklehrer zu werden, fand ich nicht so prickelnd.» Eine Weile sei er etwas orientierungslos gewesen, besuchte auch die Berufsberatung. Und dann kam das Militär, beziehungsweise der Zivildienst. Der Rheintaler machte diesen auf einer Wohngruppe in einem Heim für Menschen mit einer Behinderung in Grabs. «Dort gefiel es mir so gut, dass ich den Einsatz freiwillig verlängerte und anschliessend berufsbegleitend das Bachelor-Studium absolvierte.»

Abschalten in der Dunkelkammer
Heute arbeitet Patrick Roduner im Ländle, als Sozialpädagoge im Heilpädagogischen Zentrum des Fürstentum Liechtensteins. Nebst Arbeit und Master-Studium singt er immer noch, derzeit im Ehemaligenchor der Kantonsschule Sargans. Ebenfalls habe er kürzlich die Analogfotografie und das Entwickeln von Fotos in der Dunkelkammer für sich entdeckt: «Die Dunkelkammer gibt mir die Möglichkeit, einfach abzuschalten. Dort kann ich jeweils wirklich ein paar Stunden für mich sein, ohne dass jemand hineinkommt.» Überdies ist Patrick Roduner oft unterwegs. Von seiner WG im Rheintal aus pendelt er nicht nur für die Arbeit, sondern auch für die Beziehung zu seinem österreichischen Partner über Landesgrenzen – und blickt sowieso gerne über ebendiese hinaus. In alle Richtungen: «Mich interessiert internationale Politik sehr», sagt er. Die Soziale Arbeit als Profession sei in politischen Diskursen untervertreten: «Obschon es viele Themen gibt, in denen wir mitreden könnten.» Zudem könne die Profession auf Themen aufmerksam machen, die sonst untergehen würden. Und jenen anwaltschaftlich eine Stimme geben, die sonst nicht gehört würden – beispielsweise Menschen mit einer Behinderung. Er selbst beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Patientenverfügungen für Menschen mit einer Behinderung und schliesst nicht aus, sich dereinst politisch zu engagieren. «Mir ist generell wichtig, in meinem Leben etwas zu bewegen.»