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Forschungsprojekt

WOHNSOG – Perspektive der Mieter/innen auf bauliche Verdichtungsprozesse.

Durch die Revision des Schweizerischen Raumplanungsgesetzes, welche einen Paradigmenwechsel in der Raumplanung in Richtung «Siedlungsentwicklung nach Innen» einfordert, entsteht aktuell eine Vielzahl gebietsbezogener baulich-planerischer Strategien. Innerhalb bestehender Siedlungsgebiete werden Ersatzneubauten geplant oder umfangreiche Sanierungen vorgenommen. Dadurch wird der Wohnraum tendenziell verteuert, was wiederum zu bedrohten Wohnsituationen und damit «kritischen Lebenskonstellationen» für die ansässigen Mieterinnen und Mieter führen kann. Verschärft wird dadurch die ohnehin prekäre Situation am Wohnungsmarkt, welche – auch in der Schweiz, wie eine aktuelle Studie der Bundesämter für Wohnungswesen und Sozialversicherungen zeigt – durch ungenügende Wohnraumversorgung und zunehmende Benachteiligung immer breiterer gesellschaftlicher Schichten gekennzeichnet ist. 

Mit dem vorliegenden Forschungsprojekt soll untersucht werden, wie Bewohnerinnen und Bewohner den drohenden Wohnungsverlust, bedingt durch gebietsbezogene baulich-planerische Strategien, bewältigen. Dazu werden in einer Region in der Schweiz, die besonders durch ungenügende Wohnraumversorgung gekennzeichnet ist, drei Gebiete mit konkreten baulich-planerischen Strategien als Fallstudien ausgewählt. Im Projekt werden die individuelle Betroffenheit des drohenden Wohnungsverlusts und die damit einhergehenden Erfahrungen, wie etwa der Verlust sozialer Integration, sozialer Anerkennung, sozialer Orientierung oder sozialen Rückhalts, und damit verbundene Bewältigungsformen thematisiert. Neben subjektspezifischen Erfahrungen betroffener Bewohnerinnen und Bewohner wird auch die Bedeutung von Milieus im Sinne von persönlich relevanten, sozialräumlichen Beziehungsgeflechten und Bindungsstrukturen und damit gemeinsamen Erfahrungszusammenhängen erfragt. Ziel des Projekts ist es, neue empirisch fundierte Zugänge und Erkenntnisse zu den sozialen Konsequenzen gebietsbezogener baulich-planerischer Strategien im interdisziplinären Themenfeld der Siedlungsentwicklung zu erhalten und einen Beitrag zur sozialpädagogischen Bewältigungsforschung zu leisten. 

Über die Bewältigungsperspektive und systematische Erfassung der individuellen Auswirkungen drohenden Wohnungsverlusts im Zuge gebietsbezogener baulich-planerischer Strategien soll der bisher einseitig planerisch geführte Diskurs zu Siedlungsentwicklung von der sozialen Seite her aufgeschlossen werden. Damit wird ein substanzieller Beitrag zu der in der Schweiz noch jungen sozialwissenschaftlichen Forschung rund um Verdichtung, Gentrifizierung und Siedlungsentwicklung geleistet. Für die Praxis gebietsbezogener baulich-planerischer Strategien werden neue Erkenntnisse für im Handlungsfeld Wohnen tätige Professionelle aus Planung und Sozialer Arbeit generiert.

Projektfinanzierung: SNF - Schweizerischer Nationalfonds

Laufzeit: 01.04.2017 - 31.08.2020

Kooperation: Ernst Basler und Partner, Zürich