Zwischen Technologieskepsis und Machbarkeitseuphorie

Die Digitalisierung gehört schon zu den alltäglichen Selbstverständlichkeiten: Sie schreitet in atemberaubendem Tempo voran und durchdringt all unsere Lebensbereiche. Während die einen in Digitalisierungseuphorie verfallen, lassen jedoch immer mehr Skeptiker das Analoge wieder aufleben. Dreht sich das Rad zurück? Die Fachhochschule St.Gallen beleuchtet am achten Schweizer Bildungsforum digitale Trends und Gegentrends und deren Implikationen auf die Bildung.

«Alles #digital – oder lieber Dosentelefon?» lautet das Thema des diesjährigen Schweizer Bildungsforums. Bedeutet Datenflut gleichzeitig auch mehr Wissen? Soll oder kann die Maschine den Menschen bald ersetzen? Entstehen durch technische Möglichkeiten mehr analoge Kreativräume? Die FHS St.Gallen lädt zur Auseinandersetzung mit der digitalen Transformation ein und lässt dabei die Fachpersonen Sarah Genner, Mark Riklin und Philipp Tingler sowie die junge Generation der «Digital Natives» zu Wort kommen. Die öffentliche Veranstaltung findet am Donnerstag, 21. März um 18 Uhr im Pfalzkeller St.Gallen statt.

Fluch oder Segen?

Aktuelle Studienergebnisse zeigen, dass jenseits der Möglichkeiten der Digitalisierung beträchtliche Bedenken spürbar sind und betreffend der Informatiknutzung sogar ein Gegentrend beobachtet werden kann. So löschen zum Beispiel immer mehr Menschen ihre Social-Media-Profile, andere verzichten gar auf mobile Endgeräte. So auch Mark Riklin: Er ist einer der wenigen Menschen, die ohne Handy und Fernseher durchs Leben gehen. Am Schweizer Bildungsforum vertritt er die Anhänger des Analogen. Der Soziologe und freischaffende Journalist hat sich eine «Nachrichtendiät» verschrieben, während online eine uneingeschränkte Informationsflut in Echtzeit verfügbar ist. Ob er nicht befürchtet, etwas zu verpassen? Riklin sieht es gelassen: «Sicherlich passiert es immer wieder, dass ich etwas nicht in Echtzeit mitbekomme. Die Erfahrung zeigt aber, dass mir wichtige News von anderen zugetragen werden.» Ausserdem habe er den Medien nicht abgeschworen, sondern wähle bewusst aus, was er wann und wo in welchem Umfang konsumiere. Ganz grundsätzlich besteht gemäss Riklin die Kunst darin, eine gesunde Balance zu finden – die Digitalisierung also weder zu verteufeln noch sich ihr zu unterwerfen.

Wissen ist mehr als das Vorhandensein von Daten

Da stimmt ihm der Gastgeber zu: Gemäss Rektor der FHS St.Gallen, Sebastian Wörwag, ist es essenziell, die Chancen der Digitalisierung zu identifizieren und zu nutzen. Und dennoch: Nicht alles, was technisch möglich ist, soll aus seiner Sicht auch digitalisiert werden. So sei beispielsweise in der Bildung die Anleitung zum Denken mindestens so wichtig, wie die Vermittlung von Wissen. Zudem sei die zwischenmenschliche Auseinandersetzung mit Informationen für das Erfahren, Lernen und Wissen weiterhin unerlässlich und lasse sich nicht durch Datensätze und Algorithmen ersetzen. Er wünsche sich eine kritisch-konstruktive Auseinandersetzung mit der Frage, ob und warum neue technische Lösungen Sinn machen. «Bieten sie keinen echten Mehrwert, ziehe ich den Human Touch dem Hightech vor», sagt Wörwag.

Ob die nächste Generation das genauso sieht? Wie weit sie sich der Technik unterordnen und wann das Analoge siegt, diskutieren sie auf dem Podium. Moderiert wird die Diskussion von Philipp Tingler. Der schlagfertige Schriftsteller, Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph ist unter anderem als Literaturkritiker beim SRF bekannt.