Win-Win für Start-ups und etablierte Unternehmen

Etablierte Unternehmen und junge Start-ups funktionieren anders. Und das ist auch gut so, denn sie können durch Kooperationen voneinander profitieren.

Am 11. Unternehmensspiegel St.Gallen der FHS St.Gallen im Pfalzkeller in St.Gallen wurden lokale Beispiele vorgestellt und eindrücklich aufgezeigt, wie erfolgreich unternehmensübergreifende Kooperationen sein können.

Die Stärken von Start-ups sind oft die Schwächen von etablierten Unternehmen und umgekehrt. Idealerweise hat ein Unternehmen Zugriff auf alle Kompetenzen. Das kann auf unterschiedliche Art und Weise geschehen. Ein etabliertes Unternehmen kann beispielsweise ein Start-up kaufen oder selbst eine Abteilung gründen, welche wie ein Start-up operiert und mit der Entwicklung und Umsetzung von Innovationen beauftragt ist, erklärt Prof. Dr. Sibylle Minder Hochreutener, Prorektorin und Leiterin des Fachbereichs Wirtschaft am 11. Unternehmensspiegel in St.Gallen am 3. März 2020. Ein dritter Weg, und Thema des Unternehmensspiegel, sind Kooperationen. Diese stehen auch Unternehmen zur Verfügung, welche nicht über die finanziellen Mittel für die ersten zwei Möglichkeiten verfügen.

Dabei lohnt sich eine solche Kooperation zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups vor allem dann, wenn sich beide Unternehmen durch unterschiedliche, idealerweise sich ergänzende Eigenschaften auszeichnen, so Prof. Dr. Rigo Tietz, Leiter des Kompetenzzentrums Strategie & Management am Institut für Unternehmensführung der Fachhochschule St.Gallen (IFU-FHS). Etablierte Unternehmen sind eher von oben nach unten geführt, haben ein bewährtes Geschäftsmodell, einen etablierten Marktzugang, aber oftmals auch eine Null-Fehler-Toleranz. Start-ups wiederum sind experimentierfreudig, agil oder können zu mindestens schnell reagieren. Ebenso sind sie innovationsstark. Gelingt es diese unterschiedlichen Eigenschaften von Unternehmen zusammenzuführen, so kann das Beste aus beiden Welten kombiniert werden. Stärken werden dann gebündelt und Schwächen vermindert.

Angesichts der bereits beschriebenen Unterschiede sind Kooperationen oder ihr Entstehen auch mit verschiedenen Herausforderungen verbunden, so Tietz. Oftmals ist es für Start-ups schwierig zu erkennen, wer in einer etablierten Unternehmung die richtige Ansprechperson ist. Für diese Unternehmen ist es wiederum schwierig von jungen Start-ups zu erfahren oder diese zu beobachten oder evaluieren. Kooperationen würden auch oftmals nicht auf Augenhöhe durchgeführt, so Tietz weiter, wobei die etablierten Unternehmen meistens die stärkere Partei seien. Schlussendlich seien die Zielvorstellungen für die Kooperation oftmals unklar und unterschiedlich, was häufig mit den unterschiedlichen Kulturen, Geschwindigkeiten, Arbeitsweisen, Vorschriften oder einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Bürokratie zu tun habe.

Wetterdrohnen sind für die Kunden unwichtig

Dass Kooperationen dennoch funktionieren und erfolgreich sein können, zeigte Tietz an einer langen Liste von lokalen Beispielen auf. Da ist zum Beispiel Prime Computer, welche sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben und zusammen mit Optipac eine einzigartige Verpackungslösung entwickelt haben. Oder MycoSolutions, welche mit finanzieller Beteiligung von Swisscom Ventures innovative biologische Pilzkulturen zur Stärkung der Widerstandskraft von Bäumen, Nutz- und Zierpflanzen oder Rasen entwickelt hat. Indem Sportradar ihre Daten per Förderungsgefäss Acceleradar Start-ups zur Verfügung stellt, entstehen Lösungen wie Narrativa, welche aus den Daten automatisiert Textberichte in natürlicher Sprache verfasst.

Zwei weitere Lösungen wurden im Podiumsgespräch mit Martin Fengler, Geschäftsführer von Meteomatics aus St.Gallen und Pascal Gurtner, Senior Innovation Manager bei der Helvetia in St.Gallen vertieft. Der Gesprächsleiter Prof. Dr. Roland Waibel, Leiter Institut für Unternehmensführung IFU-FHS erinnerte daran, dass Kunden ein Problem gelöst haben möchten und nur eingeschränkt daran interessiert sind, wie dieses Problem gelöst wird. Diese Erkenntnis stand im Zusammenhang mit dem Hinweis von Fengler, dass seine Wetterdrohnen unwichtig seien. Vielmehr interessieren sich die Kunden nur an den Lösungen, welche aus den von den Drohnen gesammelten Daten entwickelt werden können, also genauere Wettervorhersagen für konkrete Problemstellungen: So könne die Post gewisse Pharmaprodukte nur in einer Temperatur-Bandbreite ausliefern, weswegen korrekte und lokale Wetterprognosen für die Planung der Post sehr wichtig sind.

Helvetia wiederum hat eine eigene Abteilung, in welcher neue Ideen weiterverfolgt werden und im Idealfall neue Produkte entstehen. Hierbei seien nicht unbedingt die neuen Technologien die besondere Herausforderung, sondern, so Gurtner, die Veränderung der Einstellungen der Personen und Kultur der Organisation. Er sprach damit die Arbeitsweisen an: Unternehmerisches Denken und Handeln sowie den Willen anhand von kleinen Experimenten, die auch scheitern können. So können Produkte entwickelt werden, welche bereits als noch nicht fertige Idee – einem sogenannten Minimum Viable Product – auf den Markt gebracht werden, um danach, anhand von Kundenfeedback, das Produkt weiterzuentwickeln. Hier meint auch Fengler, dass die Gefahr des Ideenklaus eher gering sei und der Nutzen von Kundenfeedback allerdings riesig.

 

Appenzeller Beispiele am Unternehmensspiegel in Teufen

Am 18. März 2020 findet die zweite Ausgabe des diesjährigen Unternehmensspiegels Ostschweiz statt. In Teufen werden Beispiele von Kooperationen aus den beiden Appenzell präsentiert sowie im Gespräch mit Isabel Koller, CEO figureIT in Herisau, und Andrea Bischofberger, Mitinhaberin Bischofberger AG in Weissbad, reflektiert. Die Begrüssung übernimmt Roland Dähler, Landammann Appenzell Innerrhoden. Mehr Informationen finden Sie unter folgendem Link.

 

Hier können Sie sich für die zweite Ausgabe des diesjährigen Unternehmensspiels Ostschweiz vom 18. März 2020 in Teufen anmelden.