Mit dem Nachlass-Simulator gut vorbereitet für den Fall der Fälle

Urteilsunfähigkeit, Koma, Tod. Wer entscheidet für mich? Wie kann ich vorsorgen? Wie meine Angehörigen entlasten? Der vom IDEE-FHS entwickelte Nachlass-Simulator hilft zu entscheiden, welche Vorbereitungen man für den Ernstfall treffen möchte. Und liefert eine Check-Liste mit den wichtigsten To-dos.

Wegen eines Unfalls liege ich im Koma. Über medizinische Behandlungen oder lebenserhaltende Massnahmen kann ich nicht mehr selbst entscheiden. Oder: Ich sterbe bei einer Operation. Was passiert jetzt mit meinen Organen? An solche Situationen denkt niemand gerne. Entscheide über Dinge wie Vorsorgeauftrag, Patientenverfügung oder Organspendeausweis verschieben wir deshalb gerne auf später. Hier setzt der Nachlass-Simulator an. Anhand verschiedener Szenarien können Anwenderinnen und Anwender den Ernstfall interaktiv durchspielen, um besser bestimmen zu können, welche Vorsorge sie treffen möchten.


Optionen und ihre Folgen

Entwickelt hat den Nachlass-Simulator das Institut für Innovation, Design und Engineering (IDEE-FHS) für das 2015 gegründete St.Galler Start-up LegacyNotes. Dieses möchte Menschen bei der Nachlassplanung unterstützen und setzt dabei auf digitale Technologien wie den Online-Nachlass-Simulator. Er lässt sich schnell und einfach bedienen, indem man sich durch sieben Ernstfall-Szenarien klickt. Bei jedem definiert man, wie man die Situation regeln möchte. Zur Auswahl stehen jeweils zwei Optionen, wobei immer auch deren Folgen aufgezeigt werden. Zum Beispiel bei der Patientenverfügung: Mit einer Verfügung bestimmt jemand selbst, was mit ihm im Falle eines Komas geschieht. Ohne entscheidet die vom Gesetz festgelegte Person. «Der Nachlass-Simulator zeigt den Anwenderinnen und Anwendern, was es in diesen Situationen gibt, was sie tun müssen und woran sie denken sollten. Sie erleben die Situationen sozusagen auf Probe», sagt Corinne Dickenmann, Projektleiterin vom IDEE-FHS.

Angehörige entlasten

Der Simulator will nicht nur dafür sensibilisieren, sich zu überlegen, wer im Ernstfall für einen entscheiden soll. Er will aufzeigen, mit welchen Optionen man seine Angehörigen in dieser für sie schwierigen Situation entlasten kann. So werden auch die Nachlassregelung oder die Wünsche für die Bestattung thematisiert. In einer interaktiven Grafik zeigt der Nachlass-Simulator, wie sich jede Option auf die Belastung der Angehörigen und auf den Grad der Selbstbestimmung auswirkt – von hoch bis gering. Je mehr jemand regeln möchte, desto mehr nimmt die Belastung für die Angehörigen ab und desto höher ist die Selbstbestimmung. «Der Nachlass-Simulator will in erster Linie sensibilisieren. Er liefert eine Entscheidungsunterstützung in nicht alltäglichen Situationen», sagt Lukas Schmid, Co-Leiter des IDEE-FHS. Am Ende erhält die Anwenderin, der Anwender aufgrund der gewählten Optionen eine Check-Liste mit den Aufgaben, die sie oder er jetzt angehen können, um die Vorsorge nach individuellen Vorstellungen zu regeln.

Komplexe Situationen einfach darstellen

Die grosse Herausforderung bei der Entwicklung des Nachlass-Simulators sei das abstrakte Zusammenstellen der möglichen Szenarien und das Aufzeigen der Konsequenzen gewesen. «Vor allem, weil wir die verschiedenen Szenarien in eine Story mit einem roten Faden verpacken wollten, welche die Anwenderinnen und Anwender nicht abschreckt, sondern dazu animiert, sich mit der Thematik zu befassen», sagt Lukas Schmid. 

Hier geht es zum Nachlass-Simulator.