Medizin-Studierende starten an der FHS

Die Medizin-Studierenden, die im Rahmen des Joint Medical Masters (JMM-SG) ihren Bachelor begonnen haben, wurden am Donnerstag, 13. September, an der FHS St.Gallen begrüsst. Die angehenden Ärztinnen und Ärzte absolvieren gewisse Module zusammen mit Pflege-Studierenden. Diese Interprofessionalität ist schweizweit einzigartig.

Die Abstimmung über den JMM-SG – das Humanmedizin-Studium der Universitäten St.Gallen und Zürich – fand im Juni 2018 statt. Mit überwältigender Mehrheit wurde die Initiative von der St.Galler Bevölkerung angenommen. Ein Merkmal des JMM-SG ist die Einbindung diverser Partner: neben den beiden Universitäten sind die Fachhochschule St.Gallen (FHS) und das Kantonsspital St.Gallen (KSSG), die Geriatrische Klinik und das Ostschweizer Kinderspital mitverantwortlich für das Curriculum. Am 13. September war nun die Einführung der Medizin-Studierenden im Fachhochschulzentrum St.Gallen. Sie werden während ihrer Bachelor-Ausbildung gewisse Module mit Pflege-Studierenden der FHS teilen. Damit wird die Interprofessionalität gezielt gefördert. Zur Begrüssung trat Regierungsrätin Heidi Hanselmann auf, bevor die Theatergruppe des St.Galler Jugendtheaters mit Unterstützung des Fachbereichs Gesundheit der FHS eine spannende Situation mit Patient, Angehörigen, Pflegefachpersonen und Ärzten nachspielten.

Kommunikationsprobleme zwischen den verschiedenen Berufsgruppen

Heidi Hanselmann sieht den JMM-SG als einen wichtigen Meilenstein in der Interprofessionalität des Gesundheitswesens. «Die Kommunikationsprobleme zwischen den Berufsgruppen sollen künftig der Vergangenheit angehören», sagt sie. 32% der Ärzte und 55% der Pflegenden würden gemäss Picker-Report 2014 Kommunikationsprobleme zwischen den Berufsgruppen beschreiben. «Jeder fünfte Patient versteht Antworten nicht, die sie von Ärzten und Pflegenden auf wichtige Fragen erhalten», führt Hanselmann weiter aus und ergänzt, dass 17% der Patientinnen und Patienten die Informationen von Ärzten und Pflegefachpersonen als widersprüchlich empfinden. «Kurz gesagt, da scheint sich niemand so richtig zu verstehen». Und das habe natürlich Auswirkungen auf die Zufriedenheit sowie die Qualität. Sandro Stöckli, Chefarzt HNO und Mitglied der Geschäftsleitung KSSG, übernahm das Wort nach der Regierungsrätin und führte die Studierenden zusammen mit Birgit Vosseler, Fachbereichsleiterin Gesundheit, in das Thema der Interprofessionalität ein: «Interprofessionell arbeiten heisst, dass wir gemeinsam etwas umsetzen – nicht nur, dass wir gemeinsam im Hörsaal sitzen.»

Theatergruppe mit praxisnahem Szenario

Nach einem Theorieblock versammelten sich die rund 40 Medizin-Studierenden vor einer kleinen Bühne. Die Theatergruppe des Jugendtheaters St.Gallen führte ein praxisnahes Szenario auf: Herr Müller ist mit seiner Frau, die Demenz hat, zu Hause in der Stube. Plötzlich stürzt er und bleibt liegen, Frau Müller ist heillos überfordert. Das folgende Zusammenspiel zwischen der auftauchenden Pflegefachfrau der Spitex, dem Hausarzt und dem Spital ist beeindruckend. Nach dem Schauspiel wurde das Szenario besprochen, bevor es für die Studierenden in Workshops ging – insgesamt für drei Tage. Birgit Vosseler, Fachbereichsleiterin Gesundheit an der FHS St.Gallen, ist sehr zufrieden mit dem Start: «Ich denke, wir konnten den angehenden Ärztinnen und Ärzte gut aufzeigen, wie wir die Interprofessionalität definieren und auch entsprechend in der Ausbildung gewichten.»