Master in Sozialer Arbeit: Markenzeichen Kooperation

Das vielfältige und flexibel belegbare Studienprogramm des konsekutiven Master-Studiengangs in Sozialer Arbeit wird bis 2020 weiter ausgebaut. Die Hochschulen Bern, Luzern und St. Gallen nutzen die Potenziale ihrer Kooperation für die Weiterentwicklung des Curriculums.

Mit dem Master in Sozialer Arbeit werden die Studierenden dieselbe formale Bildungsstufe erreichen wie viele Fachkräfte pädagogischer, therapeutischer und juristischer Disziplinen, mit denen sie im Alltag der Sozialen Arbeit kooperieren. Die ersten zehn Jahre des Betriebs des Master-Studiengangs der Hochschulen Bern, Zürich, Luzern und St.Gallen sind breit evaluiert worden. In den kontinuierlich durchgeführten Befragungen lassen sich mehrere Schlüsselkriterien erkennen, die ein konsekutives Master-Studium erfüllen sollte.

Inhaltliche Vielfalt, flexible Rahmenbedingungen

Die Studierenden schätzen die Möglichkeit, die Studieninhalte aus einem inhaltlich breiten Angebot auswählen zu können. Dies hat ihnen der Kooperationsmaster während der letzten Jahre in hohem Ausmass ermöglicht. Es ist ein Plus, wenn mehrere Hochschulen ihre auf hohem wissenschaftlichem Niveau erarbeiteten Inhalte in ein gemeinsames Studienprogramm eingeben. Dennoch zeigte sich in einer kritischen Selbstevaluation, dass das thematisch-inhaltliche Programm noch vielfältiger und aktueller sein dürfte.

Die Mehrheit der Studierenden studiert Teilzeit und steht daneben in der Praxis der Sozialen Arbeit. Viele wollen ihr Lernen mit ihrer parallel laufenden Berufspraxis verknüpfen. Dem wurde bereits im bestehenden Studienprogramm Rechnung getragen: Viele Studierende stellen direkte Bezüge zu ihrem Praxisfeld her – besonders in der zweiten Studienhälfte, wenn sie das Praxismodul und die Master-Thesis bearbeiten. Hier fällt ein zweiter Punkt ins Gewicht: Die Kooperationshochschulen führen die Module an verschiedenen Standorten mehrmals pro Studienjahr durch. So ermöglicht der Stundenplan den Studierenden eine flexible Studiengestaltung, die die Vereinbarkeit von Studium, Erwerb und Familienarbeit begünstigt.

Praxisnahe wissenschaftliche Auseinandersetzung

Während der ersten zehn Jahre seines Bestehens hat der konsekutive Master-Studiengang Entscheidendes zur Entwicklung der Professionalität der Sozialen Arbeit beigetragen. Diesbezüglich spielen auch die Theoriebildung und die empirische Forschung eine wichtige Rolle. Für die Studierenden ist der Forschungsunterricht am interessantesten, wenn sie sich mit Forschungsprojekten aus der Sozialen Arbeit auseinandersetzen und Forschungsmethoden erlernen, die in Feldern der Sozialen Arbeit passend eingesetzt werden können. Die Master- Studierenden sind im wissenschaftlichen Bereich erfolgreich: Zum Beispiel arbeiten an der BFH heute mehrere Absolventinnen und Absolventen des Masterstudiengangs als Wissenschaftliche Mitarbeitende in der Forschung und der Lehre. Andere Studienabgänger setzen ihre wissenschaftlichen Skills als Stabsmitarbeitende in grösseren Institutionen des Sozialwesens ein.

Curriculumsentwicklung 2020

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse entwickeln die kooperierenden Hochschulen das Studienprogramm weiter. Gesteuert wird die Entwicklung durch folgende vier Charakteristika: inhaltliche Differenzierung und Aktualität, Praxisrelevanz und Praxiserprobung, Fokussierung der Sozialen Arbeit in Theorie und Forschung sowie flexible Gestaltbarkeit des Studiums.

Unverändert bleiben der erste Teil des Studiums mit den fünf Basismodulen und der Abschlussteil, während dem die Master-Thesis bearbeitet wird. Gegenstand der Entwicklung ist der mittlere Teil des Studiums. Hier besuchen die Studierenden weiterhin thematische Module von je sechs ECTS. Die bisherigen Vertiefungsrichtungen der kooperierenden Hochschulen machen thematischen Modulen Platz. Diese sind weiterhin inhaltlichen Schwerpunkten zugeordnet. Die Standorte haben jedoch neu die Möglichkeit, die Module flexibler zu erneuern als die heutigen Vertiefungsrichtungen. Die Studierenden stellen sich individuell ihr thematisches Vertiefungsprogramm aus dem aktuellen Angebot der Standorte sowie aus Themenwochen und Studienreisen zusammen. Sie binden sich nicht mehr an eine Vertiefungsrichtung. Die bestehenden drei Wahlpflichtmodule Forschung werden durch das Angebot von Forschungswerkstätten mit einem Workload von neun ECTS abgelöst. In diesem Unterrichtsformat werden die an den Standorten bearbeiteten Forschungsprojekte stärker in den Forschungsunterricht eingebaut. Schliesslich wird das 2016 installierte Transfermodul Entwickeln und Problemlösen (TEP) erweitert. Der Workload steigt von sechs auf neun ECTS.

Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft (ZHAW) verlässt per Ende Juli 2019 die Master-Kooperation und führt einen singulären Master-Studiengang. Die BFH, die Hochschule Luzern und die Hochschule St.Gallen sind davon überzeugt, dass in der Kooperation dreier Hochschulen die hochgesteckten, mit der konsekutiven Master-Ausbildung verknüpften Ziele am besten erreicht werden können: ein Studienangebot, das die Vielfalt relevanter Themen aufnimmt, Forschungskompetenzen für das Feld der Sozialen Arbeit schult und explizit die wechselseitigen Bezüge zwischen Wissen und Praxis vermittelt.

Autor: Prof. Dr. Dieter Haller
Dieser Artikel erschien zuerst im Magazin impuls 1/19 des Departements Soziale Arbeit der Berner Fachhochschule BFH.