Kopf, Bauch, Fuss: Studierende nehmen Ostschweizer Architektur unter die Lupe

In der All School Charrette befassten sich die Studierenden der ArchitekturWerkstatt mit Ostschweizer Bauwerken.

Das Schwarze Haus in Herisau, der Hänkiturm in Aadorf oder der Zellweger Doppelpalast in Trogen: In der All School Charrette, einer semesterübergreifenden Projektwoche, befassten sich die Studierenden der ArchitekturWerstatt mit 12 Ostschweizer Bauwerken aus der Zeit der frühen Textilindustrie. Ihre Aufgabe: Die Erscheinung und die Gestalt der Gebäude auf Kopf, Herz, Bauch, Niere und Fuss zu prüfen sowie die textile Qualität der Gebäudehülle zu ergründen. Die Ergebnisse ihrer Analyse übertrugen die 87 Studierenden danach in eigene Modelle, die sie am Ende der Projektwoche vor allen Studierenden und einer Fachjury präsentierten.

Wie analysiert und beschreibt man Bauwerke am besten? Seit jeher bedienen wir uns dazu verschiedener Begriffen des menschlichen Körpers. Seit der Antike gilt dieser als symbolisches Abbild der Architektur. So sprechen Architektinnen und Architekten bei der Beschreibung eines Gebäudes und seines Ausdrucks von Kopf, Gesicht, Fuss, Armen und Gliedern. Die Gebäudehülle wiederum ist das Gewand, welches das bauliche Skelet wie eine Haut umspannt.

Zeichnen, messen, modellieren

Mit diesen Begriffen im Kopf mussten die Architektur-Studierenden während der All School Charrette an 12 Ostschweizer Bauwerken Mass nehmen und sie vom Dachgebälk bis in die Gewölbekeller analysieren. Die Gebäude stammen alle aus der Zeit der frühen Textilindustrie, als die Färbereien ihre nassen Tücher noch in Tröcknertürmen an die Luft hängten. Und als die Textilbarone in Wohnpalästen mit prachtvollen hölzernen Dachstühlen wohnten. So besuchten die Studierenden zum Beispiel das Schwarze Haus in Herisau, den Hänggiturm in Ennenda GL oder den Honnerlagscher Doppelpalast in Trogen AR. «Die ausgewählten Bauten zeichnen sich durch ihre heterogenen Strukturen, besonderen räumlichen Anordnungen, unterschiedliche Materialisierungen sowie textilen Oberflächen und Konstruktionsweisen aus», erklärt Katrin Albrecht die Auswahl der Gebäude, Dozentin an der ArchitekturWerkstatt FHS St.Gallen.

Die Ergebnisse ihrer Analyse setzten die Studierenden danach in Modelle aus Holz oder anderen Materialien um. Dabei standen den Studierenden alle Werkstätten offen, von der Druckwerkstatt über die Holz- und Textilwerkstatt bis zum Fotolabor. Die Studierenden sollten sich deshalb zuvor überlegen, mit welchen Materialien sie die gewünschte Wirkung am besten erzielen konnten. Frei wählen konnten sie auch den Massstab des Models, einzig auf einer 40 x 40 cm grossen Stelle sollte es Platz haben.

Frische, vielseitige und überraschende Ergebnisse

Die Schlusspräsentationen zeigten es deutlich: Während der Woche haben die semesterübergreifenden, bunt gemischten Gruppen intensiv über Begriffe, Darstellungsmodi, Zuständigkeiten und Materialkonzepte diskutiert, in kürzester Zeit wurden die Werkstätten zu Modellbau-Laboratorien umfunktioniert und haben überraschende Interpretationen der Bauwerke und erstaunlich vielseitige, frische, auch humorvolle Ergebnisse zutage gefördert. Nach diesem angeregten Anfang freuen wir uns auf das kommende Semester.

Die Modelle aus der Projektwoche sind noch bis am 10. Oktober im Atelier II der ArchitekturWerkstatt, Hauptpost St.Gallen, St.Leonhard-Strasse 40, ausgestellt. Ein Besuch der Ausstellung ist nach Voranmeldung (architektur@fhsg.ch, Tel.+41 71 226 12 80) möglich.

Mehr Informationen zur All School Charrette und der ArchitekturWerkstatt der FHS St.Gallen gibt es unter: https://www.architekturwerkstattstgallen.ch/