Human Touch oder Hightech?

Der digitale Wandel ist unumgänglich: Er durchdringt in atemberaubendem Tempo all unsere Lebensbereiche. Organisationen sind genauso betroffen wie wir als Individuen und als Gesellschaft. Aber was sind seine Ursachen und Treiber? Welche Herausforderungen kommen auf uns zu? Und wie sollen wir konkret damit umgehen? Um diesen und weiteren Fragen der digitalen Transformation auf den Grund zu gehen, hat die Fachhochschule St.Gallen im Herbst 2018 eine Forschungsinitiative lanciert. Aus einer Auswahl von Anträgen hat ein interdisziplinär zusammengesetztes Expertengremium die fünf besten Projekte ausgewählt, die in Hinblick auf eine Folgefinanzierung gefördert werden. Die Projektphase startete Anfang Jahr und dauert bis Ende Juni.

 

Digitalisierung in verschiedenen Bereichen hoch relevant

Der Rektor der FHS St.Gallen, Sebastian Wörwag, ist zufrieden mit dem Resultat der Ausschreibung: «Die vielfältigen eingereichten Projektanträge zeigen die Relevanz des Themas in den verschiedenen Bereichen auf und greifen wichtige, praxisrelevante Fragestellungen auf». Die Forschenden gehen einerseits der Frage nach, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit von einer «gelingenden» digitalen Transformation gesprochen werden kann. Andererseits sollen innovative Lösungsansätze identifiziert und Strategien, Verfahren oder Produkte entwickelt werden, die konkret zu diesem Gelingen beitragen. Dabei werden ethische, rechtliche, ökonomische, gesundheitliche und soziale Aspekte beleuchtet.

Konkrete Lösungsvorschläge in Arbeit

So beschäftigt sich beispielsweise ein Projekt mit der Frage, ob tatsächlich eine digitale Kluft zwischen jüngeren und älteren Mitarbeitenden besteht und wenn ja, welche Massnahmen im Umgang damit unterstützen. Eine weitere Gruppe von Forschenden entwickelt ein digitales Tool, das bei der komplexen Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Multiple Sklerose helfen soll. Ein anderes Tool wird für die jüngste Generation entwickelt: Eine zielgruppengerechte App soll 6- bis 12-Jährige erreichen und ihnen Kinderrechte vermitteln. Und schliesslich identifizierte eine weitere Projektgruppe Daten als Treiber der digitalen Transformation und arbeitet an einer unternehmensweiten, interaktiven Landkarte, um die gesammelten Daten gewinnbringend zu strukturieren, zu nutzen und auszuwerten.
Prof. Dr. Peter Jaeschke leitet das Institut für Informations- und Prozessmanagement IPM-FHS an der FHS St.Gallen und ist gleichzeitig Sprecher des Themenfelds Digitalisierung. «Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Disziplinen und Perspektiven an der FHS St.Gallen hat sich allem voran die Frage gestellt, was denn konkret unter digitaler Transformation zu verstehen ist», erklärt Jaeschke. Die FHS St.Gallen verstehe darunter «die aktive Gestaltung der sozioökonomischen Veränderung auf den unterschiedlichen Ebenen des Alltagslebens, des Gesundheitsbereichs, der Wirtschaft und der Gesellschaft, die durch die Einführung und Anwendung digitaler Technologien und ihrer Vernetzung ermöglicht wird».

Digitalisieren, was digitalisiert werden kann?

Und dennoch: Nicht alles, was technisch möglich ist, soll aus Sicht von Rektor Sebastian Wörwag auch umgesetzt werden. Für ihn steht nach wie vor der Mensch im Mittelpunkt der Entwicklungen. Der uneingeschränkten Digitalisierungseuphorie steht er vorsichtig gegenüber. Er wünsche sich eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage, ob und warum neue technische Lösungen Sinn machen. «Bieten sie keinen echten Mehrwert, ziehe ich den Human Touch dem Hightech vor», meint er.