Ermunterung zum Schrägsein

26 Bachelor-Studierende und der erste St.Galler Masterstudent durften dieses Jahr ihr Diplom in Wirtschaftsingenieurwesen entgegennehmen. Die Festrede hielt Fredy Alexander Lienhard, Geschäftsführer der autobau AG in Romanshorn. Er prophezeite den Diplomandinnen und Diplomanden eine spannende Zukunft in ihrem Berufsfeld. Zugleich appellierte er an sie, ihr Potenzial auszuschöpfen und selber zu gestalten.

Drei Jahre haben die Wirtschaftsingenieurinnen und -ingenieure auf ihr Ziel hingearbeitet. An
diesem Abend ist es endlich erreicht, sie erhalten das ersehnte Diplom. «Die Logik bringt uns
von A nach B, die Vorstellungskraft hingegen überall hin», zitierte Studiengangsleiter Urs
Sonderegger Albert Einstein in seiner Begrüssung. Im Studium hätten sie Werkzeuge und
Methoden für neue Wege und Ziele erhalten. «Wir hoffen aber, dass wir Ihnen auch
Vorstellungskraft mitgeben konnten. Damit Sie «out of the box» denken und in der Realität an
Orte gelangen, an die Sie noch nie gedacht haben.»

Den Unterschied machen

FHS Rektor Sebastian Wörwag wünscht sich von den Diplomandinnen und Diplomanden
Einzigartigkeit. «Denn im Wettbewerb der Talente stechen nur Einzelne heraus.» Was aber
macht einen einzigartig? Die Antwort lieferte Sebastian Wörwag mit einem Vergleich: 65‘000
Kirchtürme gibt es in ganz Italien. Die meisten ähneln sich, bis auf einen – den schiefen Turm
von Pisa. Er kommt uns immer als erstes in den Sinn. «Seien auch Sie ruhig etwas schräg,
darin liegt das Potenzial», sagte Sebastian Wörwag. Um neue Erkenntnisse und Lösungen zu
finden, müsse man das eigene Handwerk und Tun immer wieder reflektieren und kritisch
hinterfragen. «Von Ihnen erwarte ich, dass Sie aber auch darüber hinaus weiterdenken. Damit
Sie künftig clevere Produkte und Lösungen für unsere gesellschaftlichen Herausforderungen
entwickeln und die Welt mit ihrer Vorstellungskraft verändern. Machen Sie den Unterschied.»

Mit Herz und Seele

Für Fredy Alexander Lienhard, Geschäftsführer der autobau AG, spielen Emotionen und
Leidenschaft eine zentrale Rolle. «Wenn jemand etwas mit Herz und Seele tut, dann ist er
auch bereit, dafür zu leiden», sagte er. Die Leidenschaft habe ihm geholfen, das zu machen, 
was er wirklich machen wollte. Das galt sowohl für seine Karriere als Rennfahrer als auch für
seine Arbeit als Unternehmer. Emotionen zu vermitteln sei denn auch das Ziel der Erlebniswelt
der autobau AG, die sein Vater begründet habe. Ob Verbrennungs- oder Elektromotor, die
Vielfalt dieser aussergewöhnlichen Sammlung an Renn- und Sportwagen ist für ihn ein gutes
Beispiel für die spannende Zukunft, die auf die Diplomierenden wartet. «Der wissenschaftliche
und technische Fortschritt hat viel Potenzial für Sie als Wirtschaftsingenieurinnen und -
ingenieure. Schöpfen Sie dieses aus und gestalten Sie es mit.» Dabei sollten sie aber eines
nicht vergessen: Teamwork. «Im Rennsport wie in der Wirtschaft kommt man als Team
schneller vorwärts. Nur als Team hat man Erfolg.»

Erwartungen ans Studium erfüllt

Auch die Diplomandinnen und Diplomanden schauten auf ihre Studienzeit zurück. Luigi Ferrise
zeichnete den Verlauf des Studiums anhand einer Stress- und Anwesenheitskurve nach, die
immer steiler wurde, je näher die Abschlussprüfungen rückten. Zudem ging er darauf ein,
inwiefern sich die Erwartungen an das Studium erfüllt haben. Ein strenges Studium mit wenig
Freizeit, ein aktives Studentenleben und bleibende Freundschaften, in dieser Hinsicht hätten
sich die Erwartungen voll erfüllt. «Jetzt sind wir gewappnet für unsere Zukunft.»

Erstes St.Galler Master-Diplom

Erstmals wurde dieses Jahr zusätzlich zu den Bachelor-Diplomen auch ein Master-Diplom
verliehen. Der Master of Science in Engineering ist ein Kooperationsstudiengang aller
Schweizer Fachhochschulen. Im Anschluss an die Diplomübergabe wurde Gian Tuor für den
besten Gesamtabschluss und die beste Bachelor-Thesis und Stephan Zünd aufgrund einer
Umfrage unter allen Studierenden als «engagiertester Student» ausgezeichnet. Die
musikalische Umrahmung gestaltete die Band Tonic Vibes.

Text: Andrea Sterchi