Die ArchitekturWerkstatt war Gastgeberin der ersten Swiss Spring School

Gute Architektur ist in der Schweiz geprägt von individuellem Handwerk. An der ersten Swiss Spring School interpretierten Architekturstudierende aus der ganzen Schweiz dieses über die konventionellen Möglichkeiten seiner Anwendung hinaus. Ganz im Sinne des Mottos der proj

In verschiedenen Studios interpretierten die Architekturstudierenden das traditionelle Handwerk. Dabei setzten sie sich mit verschiedenen Materialien und ihren Möglichkeiten auseinander.

Raumkompositionen mit changierenden Putzoberflächen, Installationen mit Ziegelbruch, LED-Module und Vorwandsysteme stehen neben fragilen Natursteinobjekten, Griffstudien und Stoffanalysen. Die im Rahmen der Swiss Spring School 01 entstandenen Arbeiten zeigen Interpretationen des traditionellen Handwerks und seiner Produkte, die über konventionelle Anwendungsmöglichkeiten hinausweisen – ganz im Sinne des Mottos dieser Projektwoche «arts and crafts smart».

Neues, gemeinsames Lehrformat

Mit der Durchführung dieser ersten Swiss Spring School hat der Architekturrat der Schweiz ein neues, gemeinsames Lehrformat geschaffen. Dieses möchte als Diskussionsplattform aller Schweizer Architekturschulen den Austausch zwischen den Schulen fördern, sagt Johannes Käferstein (HSLU), Präsident des Architekturrats. 
Die Swiss Spring School 01 wurde von der ArchitekturWerkstatt der FHS St.Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften ausgerichtet. Verantwortlich war Anna Jessen, Leitung ArchitekturWerkstatt, mit ihrem Team.

Handwerkliche Kultur der Ostschweiz

Mit «arts and crafts smart» hat Anna Jessen ein Leitthema definiert, dass sinnbildlich steht für den Anspruch der ArchitekturWerkstatt, in der Zusammenarbeit mit dem lokalen Handwerk die Potenziale von Materialien und Produkten auszuloten und weiterzudenken. Das Bauen heute ist zunehmend industrialisiert und digitalisiert. Gleichzeitig ist gute Architektur, gerade in der Schweiz, geprägt von individuellem Handwerk und einem innovativem Unternehmertum. Die Swiss Spring School 01 nutzt und thematisiert diese besondere Qualität der handwerklichen Kultur der Ostschweiz. Jede der teilnehmenden Hochschulen leitete ein Entwurfsstudio. Dieses formulierte in enger Zusammenarbeit mit einem der beteiligten Handwerksbetriebe aus der Analyse der Produktionsmethoden, Materialien und Produkte Konzepte für deren Einsatz und Weiterentwicklung.

Das Material und seine Möglichkeiten

Die enge Zusammenarbeit zwischen neugierigen Studierenden und erfahrenen Handwerkern trug innert nur weniger Tage Früchte. Die Ergebnisse der Studios zeugen von einem tiefen Verständnis für das Material und seine Möglichkeiten sowie der Neugierde, diese neu zu interpretieren. Etwa wenn Putzoberflächen genutzt werden, um Raumproportionen herauszuarbeiten (Studio Accademia di architettura Mendrisio, Jonathan Sergison mit Kradolfer Gipserhandwerk). Oder wenn Vorwandsysteme raumbildend werden (Studio FHNW, Institut Architektur, Dominique Salathé, Axel Gassmann, Tommy Neuenschwander mit Geberit, Rapperswil). Die Analyse von Materialien und Produktfunktionen führte in anderen Studios zu neuen Vorschlägen wie funktionale oder haptische Türgriffe (Studio HSLU Luzern, Lando Rossmaier, Johannes Käferstein mit Mega Beschläge, Gossau) oder zum Spiel mit den Materialeigenschaften selbst.

Widerstandsfähig und fragil zugleich

Das Studio der HTW Chur, Philip Loskant, Noëlle Bottoni, arbeitete mit der Masse, Widerstandsfähigkeit und gleichzeitigen Fragilität der Steine von Schmitt Naturstein, Herisau; das Studio der EPFL Lausanne, Martin Fröhlich, Yannick Claessens, nutzte einen W-lan-undurchlässigen Stoff der Thaler Fimra Sefar, um transparente Rückzugsorte zu bilden und spielten somit mit der Ambiguität des Materials. Die raumgestaltende Wirkung von LEDs (Studio HES-SO Genève, Emma-Julia Fuller mit Fluora Leuchten, Herisau) wurde ebenso untersucht, wie Potenziale des Bauens mit Ziegelrohmaterial und Ziegelbruch, die das Studio der ETH Zürich, Friederike Kluge und Florian Schrott, Lehrstuhl Annette Spiro, mit der Brauchli Ziegelei in Berg TG auslotete. Die Übersetzung von Stoffen und Textilien in raumgestaltende Objekte und Flächen analysierte das Studio der ArchitekturWerkstatt St.Gallen, Anna Jessen, Mark Ammann, Stefan Forrer, anhand der Produkte von Tisca Tischhauser in Bühler. 

Die nächste Projekwoche des Architekturrats der Schweiz wird als Summer School voraussichtlich Mitte 2020 stattfinden.