Leader und «Influencer» von morgen gekürt

Zwei hervorragende Projektarbeiten in Marktforschung und in Managementkonzeption – eine präzise Erforschung des Kundenverhaltens von Rhomberg Schmuck und eine aufwändige Analyse der Prozesse in chinesischen Spitälern – wurden am Montagabend, 17. September 2018 mit dem WTT YOUNG LEADER AWARD der Fachhochschule St.Gallen ausgezeichnet.

Wer sich als Influencer in Sozialen Medien durchsetzen will, «muss Trends schnell identifizieren und blitzschnell umsetzen können», gab die Festrednerin dem illustren Publikum in der Tonhalle St.Gallen mit auf den Weg. Sie muss es wissen: Mit Julia Graf gab sich die erfolgreichste Influencerin der Schweiz die Ehre, ihre Youtube-Videos mit Beauty- und Lifestyle-Tipps wurden bisher 184 Millionen Mal geklickt.

Schnell erkennen, um was es geht, und blitzschnell aus dem Fundus der gelernten Theorie die richtigen Instrumente in der Praxis anwenden: Dies mussten die 52 Teams, die sich mit Pra-xisprojekten in Marktforschung und Managementkonzeption für den WTT YOUNG LEADER AWARD 2018 qualifiziert haben. In der Regel haben sie dafür mindestens 800 Arbeitsstunden in einem Semester eingesetzt. Sechs Studierenden-Teams wurden mit der Nomination für den WTT YOUNG LEADER AWARD geadelt, zwei nun gekrönt.

Konkrete Handlungsempfehlungen

Den Sieg in der Kategorie Marktforschung holte sich das Team, das für den Kunden Rhomberg Schmuck aus Marbach mit einer mehrstufigen Befragung erforschte, wie die Kunden eines der grössten Schweizer Schmuckherstellers heute einkaufen. Ergebnis: Höchst unterschiedlich. Während für ältere Kundschaft der Rhomberg-Katalog nach wie vor wichtig ist, informieren sich jüngere Kunden über Social-Media-Kanäle. Eines ist aber bei allen Altersgruppen gleich, wie FHS-Student Bernhard Oberholzer feststellte: «Schmuck anprobieren und sich individuell beraten lassen, steht bei allen hoch im Kurs.» Die Handlungsempfehlung, mit «Click and collect» die Vorteile der Online-Präsenz mit den Stärken des Filialnetzes zu kombinieren, wird deshalb bereits umgesetzt.

Den zweiten Rang sicherte sich ein Team, das für den Roggwiler Hersteller von pflanzlichen Arzneimitteln, Bioforce, das Markpotential eines neuen Medikamentes abklärte. Auf den dritten Platz kam ein Marktforschungsprojekt für Thyssenkrupp Materials Schweiz, die Metalle an Medizinaltechnikunternehmen liefern möchte.

Internationaler Austausch

Viele der Praxisprojekte, die um den WTT YOUNG LEADER AWARD buhlen, sind internationale Kooperationen, die Projektteams setzen sich aus Studentinnen und Studenten aus verschiedenen Ländern zusammen. Dies ist auch beim Siegerprojekt in der Kategorie Managementkonzeption der Fall. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen von der Shanghai University untersuchten FHS-Studenten den Medikamentenfluss in chinesischen Spitälern für Swisslog Shanghai, ein Unternehmen, das sich auf die Automatisierung der Medikamenten-Bereitstellung spezialisiert hat. FHS-Student Ferdinand Gross als Projektleiter sprach von «unzähligen Hürden», die es in diesem interkulturellen Projekt zu überwinden gab. Das Team investierte gut 2000 Arbeitsstunden in sein Projekt, dessen Filet-Stück wohl die schwierige Feldstudie in einem Spital in Shanghai war. «Das Problem war, dass die Befragten gar nicht Auskunft geben wollten», sagte Projekt-Coach Andreas Löhrer, die Studenten hätten sich deshalb mit indirekten Fragestellungen zu den gewünschten Informationen durcharbeiten müssen.

Im zweitplatzierten Projekt entstand ein Messinstrument, mit dem das Romanshorner Integrationsunternehmen Brüggli seine Wirkung dokumentieren kann. Den dritten Rang holte sich das Team, das für die M&M Militzer & Münch International Holding in St.Gallen ein Bonus-System für Manager erarbeitete, das unterschiedliche Anreize in unterschiedlichen Kulturen integriert.

Get-together von heutigen und künftigen Leadern

Der Leiter der Wissenstransferstelle der FHS und Gastgeber des Events, Prof. Peter Müller begrüsste rund 650 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter viele geladene Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Nach der Zeremonie pflegten diese beim Apéro einen intensiven Austausch. Das besondere an einem der wichtigsten Ostschweizer Networking-Events: Im Mittelpunkt stehen nicht die anwesenden Leader von heute, sondern die Studentinnen und Studenten der FHS, die sich anschicken, die Leader von morgen zu sein. 

Regierungsrat Dr. Bruno Damann, der Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements des  Kantons St. Gallens, strich die Teamfähigkeit als eine zentrale Anforderung für künftige Kader heraus. Es gelte, ohne Reibungsverlust in möglichst vielfältig zusammengesetzten Teams zu arbeiten. «Die Studentinnen und Studenten der FHS haben mit den Praxisprojekten bereits den Tatbeweis erbracht, dass sie dies können.» FHS-Rektor Prof. Dr. Sebastian Wörwag schliesslich lobte seine Studierenden, die wissenschaftlich fundierte, aber eben auch «praxistaugliche und gute Lösungen» erarbeitet hätten.

Die Gewinner 2018

6 Teams waren nominiert. Die beliebten Trophäen mit nach Hause nehmen durften am Ende die...

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