Typische Fragestellungen und Projektbeispiele

Ein Stadtplaner fragt:
«Wer wohnt in dem Gebiet, das wir gemeinsam mit den Grundeigentümerinnen und -eigentümern erneuern wollen?»

Eine Sekundärdatenanalyse als Wissensgrundlage für ein Beteiligungsverfahren

Die auftraggebende Gemeinde initiiert ein rund einjähriges Grundeigentümerbeteiligungsverfahren zu einem zentral gelegenen Gebiet am Bahnhof. Ziel ist es, die rund 30 Eigentümerinnen und Eigentümer für eine gemeinsame Masterplanung zu gewinnen. Schon zu Beginn des Beteiligungsverfahrens, an welchem wir mitwirken haben, stellt sich heraus, dass es über die gegenwärtige Bewohnerschaft keine systematischen Erkenntnisse gibt. Daraufhin werden wir beauftragt, auf Basis von Sekundärdaten der Stadtverwaltung ein sozioökonomisches Profil des Gebietes zu erstellen. Dieses Porträt stellen wir anschliessend im Beteiligungsverfahren vor. In den Diskussionen wird immer wieder darauf Bezug genommen – und schliesslich fliessen die Ergebnisse auch in den Masterplan ein.

Ein Gemeindepräsident fragt:
«Was denkt unsere Bevölkerung über die Raumentwicklung der Gemeinde?»

Eine Bewohnerbefragung als Teil des Ortsplanungsverfahrens

Mit einer ländlichen Gemeinde im Rheintal sind wir im Austausch über aktuelle raumplanerische und damit zusammenhängende sozialräumliche Herausforderungen. Im Rahmen eines von Dialog und fragender Haltung geprägten Workshops mit Gemeindevertretern erweisen sich die Bewohnerinnen und Bewohner, die in unterschiedlicher Weise aktiv und passiv Einfluss auf das Planungshandeln der Gemeinde nehmen, als wichtige Akteure. Im Dialog zeigt sich, dass der Gemeinde Wissensgrundlagen fehlen, die für das anstehende Ortsplanungsverfahren wichtig ist: Wer wohnt aus welchen Gründen bei uns? Wo arbeiten die Menschen, wo verbringen sie ihre Freizeit? Wie möchten sie wohnen? Und: Wie soll sich die Gemeinde aus Sicht der Bevölkerung räumlich entwickeln, z. B. bezüglich Ortsbild und Identität, öffentlicher Raum und Begegnungsmöglichkeiten, Mobilität und Verkehr? Daraufhin konzipieren wir in Zusammenarbeit mit dem Institut für Qualitätsmanagement und Betriebswirtschaft IQB der FHS St.Gallen eine Bewohnerbefragung, mit dem Ziel, das für die Ortsplanung relevante Wissen über die Bevölkerung zu generieren. Die Perspektive der Bewohnerinnen und Bewohner auf die Gemeindeentwicklung im Allgemeinen und die raumplanerischen Massnahmen im Besonderen werden über eine standardisierte Bevölkerungsbefragung sowie über Vertiefungsworkshops mit Erwachsenen und Jugendlichen der Gemeinde abgeholt. Die Ergebnisse werden mit den Gemeindeverantwortlichen sowie dem zuständigen Planungsbüro diskutiert und schliesslich in der Ortsplanung berücksichtigt.

Eine Gemeinde fragt:
«Wie können wir unsere Spiel- und Pausenplätze weiterentwickeln und dabei besser auf die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer abstimmen?»

Multimethodischer Einbezug der Perspektive der Nutzerinnen und Nutzer

Eine Schweizer Kleinstadt strebt an, sämtliche Spiel- und Pausenplätze zu prüfen in Hinblick auf den gegenwärtigen und künftigen Bedarf sowie die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer. Auf dieser Wissensbasis sollen gesamtstädtisch Verbesserungen umgesetzt werden. In Zusammenarbeit mit Raumplanerinnen und Landschaftsplanern der Hochschule für Technik Rapperswil erarbeiten wir ein «Spiel- und Pausenplatzkonzept» für die Gemeinde. Während die Raum- und Landschaftsplanung für die Analyse der physischen Strukturen zuständig ist, erheben wir die Perspektive der Nutzerinnen und Nutzer. Dies erfolgt über Begehungen mit verschiedenen Nutzergruppen, Workshops in Primarschulen und mit Eltern sowie über Befragungen in Kindergärten und Kindertagesstätten. Durch den Einbezug der vielfältigen Nutzenden kann sichergestellt werden, dass sich die künftige Entwicklung der Spiel- und Pausenplätze letztlich an deren Bedürfnissen ausrichtet.

Weiterführende Informationen

Eine Organisation für regionale Zusammenarbeit fragt:
«Wie haben es andere Gemeinden geschafft, ihre Ortskerne zu verdichten und dabei sozialräumliche Qualitäten zu erhalten?»

Zwei Exkursionen für Entscheidungsträgerinnen und -träger aus Politik und Verwaltung

Vision Rheintal ist ein Projekt des Landes Vorarlberg und der Vorarlberger Rheintalgemeinden, welches sich der Förderung der regionalen Zusammenarbeit widmet. Ziel ist es, raumplanerische Herausforderungen gemeinsam besser zu meistern. Einer der Themenschwerpunkte der vergangenen Jahre lautet: «IQ Innenentwicklung mit Qualität» Im Zentrum stehen folgende Fragen: Wie muss Verdichtung gestaltet werden, damit sie den spezifischen räumlichen Qualitäten gerecht wird? Und wie kann gleichzeitig die gewachsene Identität einer Gemeinde erhalten bleiben? In diesem Zusammenhang interessiert sich Vision Rheintal für gute Umsetzungsbeispiele, von denen regionale Akteurinnen und Akteure lernen können. Zu sehen, wie andere mit ähnlichen Herausforderungen umgehen, kann inspirieren und die Reflexion über die eigene Situation anregen. Eine Literaturrecherche zum Thema «Verdichtung» bietet die Grundlage für die praktische Auseinandersetzung mit der Entwicklung von Ortskernen. Diese Auseinandersetzung erfolgt im Rahmen von zwei Exkursionen, einmal in die Tiroler Berggemeinde Fliess, einmal nach Lichtensteig, Uster und Fläsch in der Schweiz. Zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzen die Gelegenheit, sich vor Ort mit möglichen Zugängen qualitätsvoller Innenentwicklung zu befassen.

Im Rahmen des Themenschwerpunkts «IQ Innenentwicklung mit Qualität» finden zusätzlich «Planertage» statt, an denen Akteure der Raumplanung miteinander diskutieren und Lösungen erarbeiten. An einem dieser «Planertage» stellen wir im Rahmen eines Impulsvortrags das Thema «Innenentwicklung» in einen historischen und gesellschaftlichen Kontext.

(Anmerkung: Der Teil Recherche und Exkursion stammt aus der Zeit, als unser Teammitglied Nicola Hilti noch am ETH Wohnforum – ETH CASE der ETH Zürich unter der Leitung von Margrit Hugentobler tätig war.)

Eine Wohnbaustiftung fragt:
«Auf welche Zielgruppen müssen wir uns im Kontext des raschen sozialen Wandels bei der Entwicklung unseres Wohnungsbestandes ausrichten?»

Strategische Empfehlungen auf Basis einer multimethodischen Analyse

Eine Wohnbaustiftung verfügt über rund 300 preisgünstige Wohnungen, erbaut zwischen den 1960er- und 1990er-Jahren. Im Rahmen ihrer Strategieentwicklung setzt sie sich mit dem gesellschaftlichen Wandel und den möglichen Folgen für die Ausrichtung ihres Wohnungsbestandes auseinander: Für welche Zielgruppen wollen wir Wohnraum anbieten? Welche Sanierungsmassnahmen sollen wir anstreben? Wie können wir unsere Wohnungen für die Zukunft fit machen? Die Wohnbaustiftung beauftragt uns mit einer Analyse; diese besteht aus der Beschaffung und Aufbereitung der soziodemografischen, haushalts- und wohnungsbezogenen Merkmale der aktuellen Bewohnerschaft (Sekundärdatenanalyse), der Befragung von Schlüsselpersonen aus Politik, Verwaltung, Bewirtschaftung und Gewerbe (Experteninterviews) sowie der Recherche und Aufarbeitung umfangreicher Dokumentationen zur Entstehungsgeschichte der Wohnbaustiftung. Aus der Analyse werden konkrete Massnahmen und Strategien für die Weiterentwicklung des Wohnungsbestandes abgeleitet.

Eine Wohnbaustiftung fragt:
«Wer wohnt eigentlich in unseren Wohnungen und wie zufrieden sind die Mieterinnen und Mieter mit ihrer Wohnsituation?»

Befragungsbasierte Zukunftsstrategie für den Wohnungsbau

Für ihre Strategieentwicklung möchte eine Wohnbaustiftung die Perspektive der Bewohnerinnen und Bewohner ihrer rund 300 Wohnungen kennenlernen. Die Wohnungen sind zwischen den 1960er- und 1990er-Jahren erbaut worden; die Wohnbaustiftung möchte diesen Bestand auf die Bedürfnisse der jetzigen und zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner ausrichten. Zudem ist es ihr ein Anliegen, rund um Energieeffizienz, Smart Homes und weitere technologische Entwicklungen auf dem neusten Wissensstand zu sein. Vor diesem Hintergrund konzipieren wir eine standardisierte Bewohnerbefragung und entwickeln eine Recherchestrategie zu den technologischen Themen rund ums Wohnen. Auf Basis der Ergebnisse schlagen wir Handlungsfelder und Massnahmen vor, mit denen die Wohnbaustiftung den Wohnungsbestand für die zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen im Bereich Wohnen fit machen kann.

Eine Stiftung für Alterswohnen fragt:

«Welche innovativen Wohnformen für ältere Menschen gibt es? Auf welche Bedürfnisse müssen wir mit unserem Angebot eingehen? Was ist hinsichtlich der Einbindung ins Quartier zu berücksichtigen?»

«Desk Research» zum Wohnen im Alter als Wissensgrundlage für einen Architekturwettbewerb

In einer Kleinstadt soll ein neues Alterszentrum entstehen, errichtet und bewirtschaftet von der Stiftung. Die Stiftung möchte die Konzeptentwicklung mit den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen fundieren. Zudem interessiert sie sich für innovative Umsetzungen im Bereich Wohnen im Alter. Vor diesem Hintergrund gilt es, aktuelle Erkenntnisse wissenschaftlich aufzuarbeiten, Beispiele für innovative Wohnformen im Alter und spezifische Bedürfnisse älterer Menschen an ihre Wohnungen und ihr Wohnumfeld zu recherchieren, sowie Empfehlungen für das geplante Alterszentrum abzuleiten. Die Ergebnisse der Studie fliessen in die Vorbereitungen für den Architekturwettbewerb zum Alterszentrum mit ein.