Rückblick Vernissage «Hans Hartung und Roland Brauchli: Druckgrafiken. Ein Dialog in Strichen und Flecken»

Das Gestische, oft Spontane, in Strichen, Flecken und Linien auf Papier – hängend in den Gängen der FHS St.Gallen. Die rund 40 Besucherinnen und Besucher der Vernissage von Werken der Künstler Hans Hartung und Roland Brauchli bekamen einen bewegenden Dialog in Strichen und Flecken zu sehen.  Im Wechselspiel präsentierten sich die Werke an den Wänden und führten die Betrachterinnen und Betrachter in eine Welt, in der künstlerische Elemente aus verschiedenen Zeiten in Beziehung zueinander gestellt werden.

Begrüsst wurden die Kunstinteressierten von Maria Nänny, Leiterin der Fachstelle Kunst und Kultur. Sie stellte auch gleich Roland Brauchli vor, der persönlich anwesend war. Nach den einführenden Worten erhielten die Gäste Zeit, die Werke zu betrachten. Weiter ging es in einem Seminarraum – vorerst nicht mehr mit der bildnerischen Kunst, sondern mit aussergewöhnlichen Klängen. Lorena Dorizzi interpretierte die Ausstellung am Cello. Und wie: Ihr Spiel mit viel Bewegung, Zupfen und Schlagen war einzigartig. «Besser hätte sie die Werke musikalisch nicht umschreiben können», sagt Maria Nänny nach dem Anlass.

Rektor Sebastian Wörwag stellte den Zusammenhang zwischen Kunst und der FHS her. Es hätte natürlich seinen Grund, warum die FHS Kunstveranstaltungen anbiete: «Wir haben von der Erker-Presse Druckgrafiken erhalten mit der Auflage, diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.» Dafür verantwortlich ist Maria Nänny. Mit ihrem Fachwissen und Netzwerk stellt sie regelmässig kontextualisierte Ausstellungen auf die Beine. In der aktuellen Ausstellung geht sie einen neuen Weg, indem sie Werke von Hans Hartung – ein Künstler, der regelmässig in der Erker-Galerie druckte – mit den Werken von Roland Brauchli in den den Dialog setzt.

Ein Künstlergespräch bildete den Abschluss: Roland Brauchli stand im Gespräch mit Maria Nänny. Auch die Gäste nahmen rege am Gespräch teil, liessen beispielsweise die Frage einfliessen, warum Brauchli viele seiner Werke ohne Rahmen zeigt. Es gäbe mehrere Gründe dafür, so Brauchli. Das Papier sei oft Teil des Objekts – dies hinter Glas verschwinden zu lassen, nähme dem Werk die Materialität, sei sie entstanden durch absichtliche Risse oder aber auch durch zufällige Arbeitsspuren in Form von kleineren Unebenheiten. Auch Fingerabdrücke würden mitunter Teil des Werkes, sie seien ebenso "marks" wie auch die Striche und Flecken in grosszügigen, schnellen Bewegungen. Brauchli, der eigentlich nicht so gerne vor Publikum über seine Arbeit spricht, sagte im Anschluss: "Ich habe mich sehr wohl gefühlt, weil das Gespräch so authentisch war." Und der unter den Gästen anwesende Maler Hans Schweizer hat Hans Hartung bisher als Schwergewicht wahrgenommen und fand schwer Zugang zu seinem Werk. Dank der Ausstellung in den Gängen der FHS und durch den Dialog mit Roland Brauchli habe sich ihm eine völlig neue Sichtweise zu Hartungs Werk eröffnet.