Ringvorlesung Männer und Gesundheit27. Februar bis 7. Mai 2020

 

Was macht Männer (un)gesund?

Die Gesundheit von Männern ist heute ein viel diskutiertes Thema – Männer sind beim gesundheitlichen Risikoverhalten sowie bei vielen Stresserkrankungen die Spitzenreiter. Dabei sind die vielschichtigen Hintergründe meist unbekannt.

Entsprechend notwendig erscheint es, aktuelle Auswirkungen der beruflichen Praxis auf die physische und psychische Gesundheit sowie Konsequenzen aus der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit bei Männern zu thematisieren.

Die Fachbereiche Soziale Arbeit und Gesundheit der FHS St.Gallen sowie Gender und Diversity der Universität St.Gallen laden zur öffentlichen Ringvorlesung ein. Ziel ist es, männliches Gesundheitsverhalten in Bezug auf soziale, intime, familiäre und berufliche Strukturen im Kontext von Männlichkeitskonstruktionen zu analysieren und neue Perspektiven auf die Männergesundheit zu eröffnen.

Die Veranstaltungen finden jeweils donnerstags von 17 bis 18.30 Uhr im Raum für Literatur in der Hauptpost, St.Leonhard-Strasse 40, 3. Stock links, in St.Gallen statt. Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Wir freuen uns auf Ihr Kommen.

 

Programm

27. Februar 2020: Männlichkeiten und Gesundheit – Dynamiken zwischen «Freiheit» und «Zwang»

Epidemiologische Daten zur Gesundheit und Krankheit weisen auf eine gesundheitliche Gefährdung von Männern* hin, ohne deren Ursachen ausreichend erklären zu können. Vor diesem Hintergrund wird in den Gesundheitswissenschaften vermehrt auf Konzepte von Geschlecht und Männlichkeiten aus der Geschlechter- bzw. Männer*- und Männlichkeitsforschung zurückgegriffen. Im Rahmen des Vortrages werden Forschungsergebnisse zum Umgang der Vätergeneration mit Gesundheit, der Bedeutung von Sport für Männer* sowie Zusammenhänge von Gesundheitshandeln und Männlichkeiten präsentiert und aus einer Geschlechterperspektive kritisch reflektiert.

Vortrag von Dr. des. Frank Luck, Universität Basel
Raum für Literatur, Hauptpost St.Gallen, 17 bis 18.30 Uhr

Die Soziale Gesundheit ist ein wenig berücksichtigter Fokus innerhalb der wissenschaftlichen Auseinandersetzungen zur Gesundheitsthematik. Dies mag an der allgemein getragenen Selbstverständlichkeit liegen, dass eine soziale Einbettung unbestrittene positive Effekte hat. Im Kontext von Männlichkeitskonstruktionen offenbart die Soziale Gesundheit durchaus Ambivalenzen, wie u.a. an den belächelten Männerfreundschaften und gewaltaffinen Peergroups deutlich wird. Zudem bilden die vielgestaltigen wie divergierenden Rollenanforderungen und Zeitregime (neue) Herausforderungen in der männlichen Selbstsorge.  

Vortrag von Prof. Dr. Steve Stiehler, Fachhochschule St.Gallen
Raum für Literatur, Hauptpost St.Gallen, 17 bis 18.30 Uhr

Im öffentlichen Diskurs und in den Gesundheitswissenschaften gelten Männer als wenig körpersensibel. Angeblich betrachten sie ihren Körper instrumentell. Frauen nähmen seine Signale besser wahr und kümmerten sich mehr um seine Pflege. Ob und inwieweit das zutrifft, ist zu klären. Wir werden die Entstehung dieser Vorstellungen historisch rekonstruieren und genauer die Entwicklung der letzten Jahrzehnte ansehen. Dann lässt sich der Wahrheitsgehalt und die gesellschaftliche Funktion solcher Diskurse besser einschätzen.

Vortrag von Prof. em. Dr. Martin Dinges, Robert Bosch Stiftung Stuttgart
Raum für Literatur, Hauptpost St.Gallen, 17 bis 18.30 Uhr

Viele Jungen treiben gerne Sport. Zugleich sind sie sehr risikobereit, was oft zu Verletzungen führt. Was lernen Jungen im Sport? Wie kann der Sport ihre gesundheitsrelevanten Ressourcen fördern? Diskutiert wird das Potential, welches das Variablenmodell «Balanciertes Junge- und Mannsein» dem Schulsport und Sportanlässen bietet.

Vortrag von Prof. Dr. Elke Gramespacher, Pädagogische Hochschule FHNW
Raum für Literatur, Hauptpost St.Gallen, 17 bis 18.30 Uhr

Dieser Beitrag geht der Frage nach dem Zusammenhang von Gesundheit, Männlichkeit und Sexualität aus einer kulturwissenschaftlichen Perspektive nach. Wie haben westliche Gesellschaften Sexualität und Begehren in der bürgerlichen Moderne aufgefasst? Wie wurde männliche Sexualität dabei mit Vorstellungen von Glück und einer glücklichen Familie verbunden? Welche Rolle kam Weiblichkeit zu? Und weshalb galt Homosexualität als krank? Sowohl das Verständnis von Sexualität wie auch von Gesundheit hat sich verändert. Was könnte es also heute bedeuten, eine gesunde – oder glückliche – männliche Sexualität zu leben?

Vortrag von PD Dr. Christa Binswanger, Universität St.Gallen
Raum für Literatur, Hauptpost St.Gallen, 17 bis 18.30 Uhr

Bisher sind die subjektiven Bewältigungsstrategien im Umgang mit psychosozialen Risiken und mögliche Bewältigungsherausforderungen von Männern wenig sichtbar. Entsprechend werden auf der Grundlage unterschiedlicher Forschungsergebnisse subjektive Empfindungen von Zeitdruck in den Erwerbsarbeits- und Sorgearbeiten im Kontext der männlichen Lebensbewältigung dargestellt. Hierbei offenbaren sich mit «Switchen», «Multitasking» und «Mind-Wandering» prekäre Bewältigungsstrategien, um die Sphären der Produktion und der Reproduktion zeitlich, gedanklich und emotional zu synchronisieren.

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Paulus, Fachhochschule St.Gallen
Raum für Literatur, Hauptpost St.Gallen, 17 bis 18.30 Uhr

Objektive und subjektive Gesundheit von Männern im Alter wird durch die Intersektion von Alter und Geschlecht als soziale Kategorien (nicht lediglich biologischen Merkmalen) bedingt und kann durch weitere Ungleichheitskategorien wie Bildungsstand, Ethnizität und Migrationserfahrung akzentuiert werden. Der Vortrag hat zum Ziel, Gesundheit von Männern im Alter zu untersuchen und dabei soziale und lebenslaufspezifische Faktoren in Gesellschaftsverhältnissen (wie dem Patriarchat) herauszuarbeiten.

Vortrag von Dr. Miranda Leontowitsch, Goethe-Universität Frankfurt
Raum für Literatur, Hauptpost St.Gallen, 17 bis 18.30 Uhr

Männer nutzen immer öfter Smartphones oder Smartwatches mit dem Ziel, ihr Potenzial in allen Lebensbereichen zu optimieren. Diese Form der digitalen Selbstkontrolle ist mit dem Versprechen grösserer Autonomie verknüpft, kann aber auch zur Selbstaufgabe führen, wenn sie primär als Abwehr von Versagensängsten und Einsamkeitsgefühlen dient. Anhand von Fallvignetten wird diese neurotische Dynamik anschaulich dargestellt und diskutiert.

Vortrag von Dr. Florian Schulz, Universität St.Gallen
Raum für Literatur, Hauptpost St.Gallen, 17 bis 18.30 Uhr

Das Fitness- bzw. Trainingsverhalten von Männern ist bei näherer Betrachtung durch gewisse Eigenheiten gekennzeichnet. Herausforderungen und Chancen für die Bereiche Fitness und Gesundheitsverhalten werden in ihrer Verbindung zu Männlichkeitskonstruktionen und männlichen Sozialgruppen ausgeführt. Zudem werden demographische und soziale Veränderungsprozesse sowie deren (in)direkte Einflüsse auf das Fitness-Verhalten von Männern in den Kontext von Gesundheitsförderung gestellt. Die Vorlesung schliesst mit einem Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Kontext von Fitness und Männlichkeitskonstruktionen.

Vortrag von Dr. Steffen Heinrich, Fachhochschule St.Gallen
Raum für Literatur, Hauptpost St.Gallen, 17 bis 18.30 Uhr

Hauptpost – Raum für Literatur
St.Gallen

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