Kulturzyklus Kontrast 2019Rückblick

   

Die 6. Veranstaltungsreihe Kulturzyklus Kontrast der Fachhochschule St.Gallen zeigte auch in diesem Jahr Talente, die nicht wegen ihrer Beeinträchtigung, sondern wegen ihres Potenzials eine öffentliche Plattform verdient haben.

Kulturzyklus Kontrast 2019

Der öffentliche Kulturzyklus Kontrast ist aus der Veranstaltungsagenda der Fachhochschule St.Gallen (FHS) nicht mehr wegzudenken. Vom 5. bis 9. November 2019 zeigten Menschen mit einer Beeinträchtigung ihr künstlerisches Schaffen einem breiten Publikum. Dabei drehte sich alles um die Frage des vermeintlich «Normalen». Die Antwort darauf gaben die Künstlerinnen und Künstler gleich selbst mit ihren einzigartigen Arbeiten. Die Veranstaltungsreihe des Fachbereichs Soziale Arbeit, die in diesem Jahr zum sechsten Mal stattfand, stellte das künstlerische Werk ins Zentrum und wollte zudem einen Beitrag leisten für gelebte Inklusion, die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft.

Gestaltetes und Verfilmtes

Der Kulturzyklus Kontrast begann am 5. November mit der Eröffnung der Ausstellung des Quimby Huus zum Thema «Bikinifrauen, Sehhilfen und andere Entdeckungen». Im Quimby Huus in St.Gallen leben und arbeiten Menschen mit einer Körperbehinderung oder Hirnverletzung. Ein Angebot der Tagesstätte ist das Malatelier. Hier schaffen die Künstlerinnen und Künstler Bilder, die ihre Sicht auf die Welt darstellen. Sie setzen sich dabei fortlaufend mit dem bildnerischen Prozess auseinander. So enstanden individuelle Werke, welche die Betrachtenden einluden, die Welt und ihre Erscheinung neu und anders wahrzunehmen. Die Vernissage wurde von Elias Menzi mit dem Hackbrett musikalisch begleitet. Die Ausstellung ist nach dem Kulturzyklus noch bis zum 3. Dezember zu sehen.

Am 6. November wurde im Rahmen des Kulturzyklus der Film «Immer und ewig» gezeigt. Der Film basiert auf einer wahren Begebenheit und handelt von Annette Bräuning, die vor 20 Jahren
gelähmt aus dem Koma erwachte. Infolgedessen hängte ihr Mann Niggi seinen Beruf als Fotograf an den Nagel und machte sich das gemeinsame Leben zur künftigen Lebensaufgabe. Unter anderem unternimmt das Paar regelmässig lange Reisen im von Niggi umgebauten Wohnmobil. Die Filmemacherin Fanny Bräuning begleitet ihre bald 70-jährigen Eltern auf einer dieser Reisen und versucht herauszufinden, was das Geheimnis der offensichtlich bis heute gut funktionierenden Beziehung ist. Am Filmabend waren die beiden Hauptdarsteller Annette und Niggi Bräuning sowie der Filmredaktor Alex Oberholzer zu Gast.

Lesung und wortlose Bühnenkunst

Raúl Krauthausen ist Inklusions-Aktivist und Gründer der Aktionsgruppe Sozialhelden. Seit 15 Jahren arbeitet er als Medienmacher und Design Thinker in der Internet- und Medienwelt. Das Netz ist sein zweites Zuhause. Dort twittert, bloggt und postet er über die Dinge, die ihn bewegen. Raúl Krauthausen ist im Rollstuhl unterwegs. Seine Behinderung ist für ihn aber nur eine von vielen Eigenschaften. In seiner Autobiografie «Dachdecker wollte ich eh nicht werden», aus der er am 7. November anlässlich des Kulturzyklus vorlas, erzählte er aus seinem Leben und spricht über seinen Alltag. Und darüber, wie Menschen mit und ohne Behinderung miteinander leben können. Auf die Lesung folgte ein Interview mit dem Autor.

Christoph Staerkle spricht auch ohne Worte – so etwa auch am 8. November, am vierten Tag des Kulturzyklus Kontrast. Seine Bühnenkunst zählt zu den eindrucksvollsten Darbietungen der heutigen Pantomime. In seinem wortlosen Programm erheitert der Komikermime sein Publikum mit seiner treffenden Interpretation menschlicher Alltagssituationen und Verhaltensweisen. Dabei charakterisiert er seine Figuren mit feinsinniger Karikatur und bissiger Parodie. Von Geburt an ist Christoph Staerkle taub. Sein Nicht-hören-Können hat er akzeptiert. Vielmehr beweist er, dass kommunizieren auch ohne Sprache sehr gut möglich ist. Denn gerade seine spontanen Improvisationen mit dem Publikum zeichnen sein grosses Talent aus. Er beantwortete im von einem Dolmetscher übersetzten Künstlergespräch Fragen.

Musikalische Darbietung

«Es ist normal, verschieden zu sein.» Diese Botschaft macht Graf Fidi, der am letzten Tag des Kulturzyklus am 9. November auftrat, zu seinem Beruf. Geboren mit einer Gehbehinderung und sechs Fingern meistert der Rapper und Inklusionsbotschafter seinen Job als Sozialarbeiter und seine Leidenschaft – die Musik. Mit jedem Auftritt beweist Graf Fidi, dass man trotz körperlicher Einschränkungen alles machen kann. Auch wenn er sich als Sprachrohr für Menschen mit Behinderung sieht, ist sein musikalisches Repertoire vielseitig und nicht nur auf seine Behinderung fokussiert. In erster Linie verbreitet seine Musik gute Laune, und hin und wieder zieht er sich gerne auch einmal selbst verbal durch den Kakao. Am Kulturzyklus hat Graf Fidi gesungen und im Künstlergespräch Fragen beantwortet.

 

Kulturzyklus Kontrast 2020

Reservieren Sie sich die Daten vom nächsten Kulturzyklus Kontrast bereits heute. Dieser findet vom Dienstag, 3. bis Samstag, 7. November 2020 statt.