Rückblick: Diplomfeier Wirtschaftsingenieurwesen 2018Keine Rückkehr zur Normalität

28 Wirtschaftsingenieure durften vergangene Woche in der autobau AG in Romanshorn ihr Bachelor-Diplom entgegennehmen. Die Festrede hielt Hans Altherr, Präsident des Hochschulrates der Fachhochschule St.Gallen. Er appellierte an die Diplomanden über die Grenzen hinaus zu denken, um ihre Rolle als Brückenbauer zwischen Technik und Wirtschaft wahrzunehmen.

Ein Moment zum Geniessen. Drei Jahre haben die Absolventen auf ihn hingearbeitet. Sie haben gelernt, getüftelt, diskutiert und auch dann weitergemacht, als es einmal nicht nach Plan lief. Jetzt sei deshalb die Zeit, um zu feiern. «Denn Lernen und Geniessen sind das Geheimnis eines erfüllten Lebens», zitierte Studiengangsleiter Urs Sonderegger den deutschen Philosophen Richard David Precht in seiner Begrüssung. Zum zweiten Mal durfte der Fachbereich Bau und Technik der Fachhochschule St.Gallen (FHS) am Freitag, 26. Oktober, in der autobau AG in Romanshorn die Diplome für den Bachelor-Studiengang in Wirtschaftsingenieurwesen übergeben. Das Lernen und Geniessen bedingten sich gegenseitig, sagte Urs Sonderegger. Mit dem Lernen entwickeln wir uns weiter, bereiten wir uns für neue Aufgaben vor. Tun wir dies, ohne einmal abzuschalten, werden wir unzufrieden. Andererseits verlieren wir den Anschluss, wenn wir uns zu lange auf unseren Lorbeeren ausruhen. «Feiern Sie jetzt, dass Sie etwas erreicht haben, bevor Sie sich dann aufmachen, etwas Neues zu tun.»


Ausbrechen aus den Normen

Alles andere als die Rückkehr zur Normalität nach dem Studium wünschte Sebastian Wörwag, Rektor der FHS St.Gallen, den neuen Wirtschaftsingenieuren. Der Mensch sehne sich zwar nach einem normalen Leben. Doch dieses sei bestimmt durch implizite und explizite Normen. Das beginnt beim Aufstehen und wird besonders deutlich, wenn wir zur Arbeit fahren. Mit seinen Regeln ist der öffentlich Raum geradezu eine Verbotszone. Bei der Arbeit sind wir mit Prozessen und unzähligen Qualitätsnormen konfrontiert. Selbst Gurken, dürfen nicht wachsen, wie sie wollen. «Ständig passen wir uns den Normen an. Warum machen wir das?», fragte Sebastian Wörwag. Von den Studierenden erwartet er, dass sie diese Anpassungsleistung hinterfragen und «auch ein paar Normen abschaffen». Das Studium habe sie gelehrt, kritisch zu denken und Dinge zu reflektieren. Er empfahl ihnen, die Kunst zum Vorbild zu nehmen. «Künstler schaffen Unikate, in die ihre Ideen fliessen. In der Wirtschaftswelt brauchen wir mehr Schöpferisches und Kreatives.» Der Wunsch nach Normalität komme letztlich auch aus der Gewohnheit. Die Absolventen sollten sich zunehmend fragen, was wäre, wenn alles ganz anders wäre. Das sei die Grundlage, Dinge neu zu denken. «Von Ihnen erwarte ich keine Gewohnheit. Beantworten Sie ungewöhnliche Fragen mit ungewöhnlichen Lösungen. Schaffen Sie Neues, seien Sie aussergewöhnlich.»

Die Wirtschaft braucht Querdenker und Grenzüberschreiter

Hans Altherr, Präsident des Hochschulrates der FHS, gab in seiner Rede offen zu, dass er zu Beginn skeptisch war, als es im Hochschulrat um den neuen Studiengang ging. «Weder Fisch noch Vogel, dachte ich damals», sagte er. Heute stehe er voller Überzeugung hier. «Es braucht Sie als Brückenbauer zwischen der Technik und der Wirtschaft. Sie können die Sprache der Ingenieure verstehen und übersetzen. Sie wissen, wie man einen Businessplan erstellt.» Gerade in unserer immer segmentierteren Welt brauche es Querdenker und Grenzüberschreiter. «Leute, die über die Grenzen hinausdenken.»

Studium als erfolgreicher Geschäftsprozess

Auch die Diplomanden schauten auf ihre Studienzeit zurück. Stefan Brändle und Michel Simon packten sie auf humorvolle Weise in einen Geschäftsprozess. Als Input nahmen sie die Erwartungen an den Studiengang und ans Studentenleben, deren Erfüllung nach Abschluss des Studiums als Output. Eine strenge Studienzeit, neue Freundschaften, ein aktives Studentenleben und ein guter Job danach – diese Erwartungen hätten sich allesamt erfüllt. Ein erfolgreicher Geschäftsprozess also. Im Anschluss an die Diplomübergabe wurden Stefan Brändle und Samuel Kolb für den besten Gesamtabschluss, Fabian Solenthaler für die beste Bachelor-Thesis und Ilia Frahmann aufgrund einer Umfrage unter allen Studierenden als «wertvollster Student» ausgezeichnet. Die musikalische Umrahmung gestaltete die Band Superjam.