Preis für innovatives Sozialprojekt

In der Bodenseetagung wird erstmals ein soziales Projekt ausgezeichnet. Die FHS St.Gallen überreicht der Fachstelle Selbstvertretung des HPV Rorschach einen mit 10'000 Franken dotierten Preis.

Die Fachstelle Selbstvertretung am HPV Rorschach gibt es seit bald vier Jahren. Sie ermöglicht Menschen mit Beeinträchtigung, die im HPV arbeiten oder wohnen, ihre Selbst- und Mitbestimmung zu fördern und zu stärken. Und das nicht nur innerhalb der Institution, sondern auch ausserhalb. Beispielsweise wenn es darum geht, sich politisch zu engagieren. Das gewählte Selbstvertretungsteam der Fachstelle ist die offizielle Vertretung der Bewohnerinnen und Bewohnern des HPV.

Nun wurde die Fachstelle für ihre Arbeit ausgezeichnet. Verliehen wurded der mit 10'000 Franken dotierte Preis an der Bodenseetagung des Fachbereichs Soziale Arbeit der Fachhochschule St.Gallen. Nach fast zehn Jahren Veranstaltungsgeschichte setzten sich die Organisatoren zum Ziel, einen Preis für ein soziales Projekt zu vergeben. In der Jury wurden mehrere Projekte geprüft. «Die Fachstelle Selbstvertretung ist ein innovatives, relevantes und aktuelles Sozialprojekt – und eine würdige Preisträgerin», sagt Stefan Ribler, Jurymitglied und Dozent im Fachbereich Soziale Arbeit. «Das Projekt Fachstelle Selbstvertretung erfüllt alle unsere Kriterien: Es hat einen Bezug zur Sozialen Arbeit und zur Region sowie zu Innovation und Aktualität.»

«Schöne Anerkennung»

Manuela Breu hat die Fachstelle Selbstvertretung am HPV aufgebaut und leitet sie heute in einem Arbeitspensum von 80 Prozent. Sie kümmert sich um die Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner, bündelt deren Anliegen und koordiniert die verschiedenen Mitsprachegruppen wie die gewählte Selbstvertretungsgruppe, den «Dörfli»-Rat oder die «Wir für uns»-Gruppe. Die Sozialpädagogin freut sich über den Preis: «Es ist eine schöne Anerkennung dafür, dass Menschen mit Beeinträchtigung und ihre Anliegen sowie auch unsere Arbeit wahrgenommen werden.»

Die Fachstelle Selbstvertretung basiert auf den Erkenntnissen der Bachelor-Arbeit von Manuela Breu, die sie zum Thema «Politische Teilhabe von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung» im Rahmen ihres Studiums an der FHS geschrieben hat. «Die Jury war ebenfalls beeindruckt, wie Manuela Breu einen grossen Teil ihrer Arbeit aus dem Studium in die Praxis transferiert und mit viel Wille, Disziplin, Engagement und Herzblut umgesetzt hat», sagt Stefan Ribler. Dazu komme, dass das Projekt eine «unglaubliche hohe Relevanz» bekommen habe durch den Einbezug von Teilhabe, Selbstbestimmung und Partizipation.

Zwischen Phantasien und Ängsten

Die Bodenseetagung fand am Mittwoch, 28. November 2018, zum Thema «Soziale Arbeit 4.0» statt. Berufsleute sowie weitere Interessierte gingen der Frage nach, welchen Einfluss die Digitalisierung auf die Soziale Arbeit hat. Die digitale Transformation ist längst im Gange, doch weiss niemand ganz genau, was das für die Beteiligten heisst. Das schafft einerseits Raum für Phantasien, andererseits auch Ängste – gerade für Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind.

Das eigene Erfahren und Erleben seien eine Voraussetzung dafür, die Möglichkeiten und Risiken der Digitalisierung besser einschätzen zu können, sagt Stefan Ribler. Aus diesem Grund waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Bodenseetagung eingeladen, in digitale Erlebniswelten einzutauchen.

Die FHS St.Gallen führte die Bodenseetagung in Kooperation mit dem Berufsverband AvenirSocial Sektion Ostschweiz und dem Netzwerk FHS Alumni durch. Weitere Informationen zum Programm: www.fhsg.ch/bodenseetagung