In Zukunft sollen die Strassen Solarstrom produzieren

Die digitale Transformation verändert nicht nur Unternehmen, sondern auch Kommunen. An der eBusiness Challenge der FHS St.Gallen entwickelten deshalb im Auftrag der Stadt St.Gallen über 200 Ostschweizer Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II mögliche Antworten auf die Frage «Wie sieht St.Gallen 2030 aus?» Ausgezeichnet wurden unter anderem ein Shopkonzept und die Idee einer Solarstrasse.

Einen Tag lang Wirtschaftsinformatik-Luft schnuppern: Das ermöglicht die jährlich stattfindende eBusiness Challenge (eBC) der Fachhochschule St.Gallen (FHS). Bereits zum zwölften Mal stellte ein Themensponsor Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II eine Wettbewerbsaufgabe – in diesem Jahr die Stadt St.Gallen, für die die am 3. September in 49 Teams angetretenen über 200 Schülerinnen und Schüler aus der Ostschweiz digitale Lösungen für eine «Smart City» im Jahr 2030 entwickelt haben. Die diesjährige eBC war nicht nur die Grösste ihrer bisherigen Geschichte, sie reihte sich in diesem Jahr auch gleichzeitig in die Veranstaltungsreihe des Digitaltags Schweiz 2019 ein.

 

Jugendliche Pioniere der Digitalisierung

Die Schülerinnen und Schüler waren aufgefordert, eine beratende Funktion einzunehmen und dabei eine Eigenschaft auszuspielen, welche aktuelle Führungskräfte in den seltensten Fällen selber besitzen: Als sogenannte «Digital Natives» sind sie Pioniere in der Nutzung von digitalen Technologien. Ausserdem, so erklärte Joël Haubensak, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der FHS und OK-Mitglied, seien die Wettbewerbsteilnehmerinnen und -teilnehmer die Einwohner der Zukunft. Städte müssen ihre Bedürfnisse und Wünsche kennen, um diese zu erfüllen: «Heute ist die Gelegenheit, der Stadt zu sagen, was ihr in Zukunft braucht und wollt», so die Aufforderung von Haubensak an die Schülerinnen und Schüler.

 

Die Aufgabenstellung war für die «Digital Natives» dennoch nicht einfach: Wie schwierig es ist, sich vorzustellen was in der Zukunft alles möglich ist oder möglich sein sollte, deutete der Aufruf von Prof. Dr. Sibylle Minder Hochreutener, Prorektorin und Leiterin des Fachbereichs Wirtschaft, an: «Seien sie kreativ, entwickeln sie nicht nur einfach die nächste App, denken Sie weiter und über den Tellerrand hinaus.» Natürlich wurden gleichwohl einige Apps vorgeschlagen, und dies sogar erfolgreich: Ein Team des Kaufmännischen Berufs- und Weiterbildungszentrum St.Gallen (KBZ) erreichte mit ihrem App-basierten Ansatz im Bereich der Sharing Economy (die geteilte Nutzung von Ressourcen) den dritten Rang. Die skizzierte Unterstützungsapp verfolgt das Ziel, ein nachbarschaftliches Zusammenleben zu fördern. Spannend auch der Lösungsvorschlag eines weiteren KBZ-Teams, der den zweiten Rang einbrachte: Strassen könnte man mit Solarplatten belegen und die so gewonnene erneuerbare Energie computergesteuert verteilen.

 

Die Challenge gewonnen hat ein Team des Berufs- und Weiterbildungszentrum Will-Uzwil (BZWU). Das Team entwickelte eine digitalgestützte Idee zur Zwischennutzung von leerstehenden Gewerbeflächen, welche flexibel und temporär genutzt werden können. Dadurch soll neuen Geschäftsideen ein Sprungbrett geschaffen werden, um sich gegebenenfalls später in der Innenstadt zu etablieren. Die Idee sei überzeugend hergeleitet und präsentiert worden, begründete die Jury ihre Wahl.

 

Kitschige Träume können Wirklichkeit werden

Inspiration, wie das St.Gallen der Zukunft aussehen könnte, präsentierte Samuel Zuberbühler, Leiter der städtischen Standortförderung. Er beschrieb die «Smart City» als eine Stadt in welcher Technologien verknüpft werden, um die Lebensqualität der Einwohnerinnen und Einwohner sowie die Standortqualität für Unternehmen zu erhöhen und dabei weniger Ressourcen zu verbrauchen. Die Wettbewerbsteilnehmenden erhielten im Losverfahren jeweils eine Perspektive zur Bearbeitung: Mensch, Wirtschaft, Mobilität, Verwaltung, Umwelt & Energie oder Leben.

 

St.Gallen sei in seiner aktuellen Entwicklung hin zu einer «Smart City» führend, bemerkte Zuberbühler zufrieden. Als Beispiel nannte er Smarte Abfallcontainer, welche übermitteln ob sie geleert werden müssen oder auf der Tour übersprungen werden können. Dies schone sowohl personelle als auch ökologische Ressourcen, so Zuberbühler. Was in diesem Falle praktisch ist, berge aber auch Gefahren, ergänzte Stadtrat Markus Buschor in seiner Abschlussrede: Wenn per GPS jedes Fahrzeug und jeder Fussgänger identifiziert werden könne, und die Stadt anhand dieser Auswertung Ampeln- oder Strassenlampeneinstellungen verändere, dann klinge dies durchaus spannend, könne aber auch bedeuten, dass der Aufenthaltsort und möglicherweise auch der Zustand einer Person ständig bekannt sei. «Dies mag heute noch wie ein kitschiger Traum klingen. Er wächst aber zu einer Wirklichkeit heran. Und da lohnt es sich auch die Frage zu stellen, ob dies wirklich eine erstrebenswerte Zukunft ist», mahnte Buschor die Schülerinnen und Schüler.

 

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