Mit traumhaften Bildern in den Kulturzyklus gestartet

Die 6. Veranstaltungsreihe Kulturzyklus Kontrast der Fachhochschule St.Gallen zeigt auch in diesem Jahr Talente, die nicht wegen ihrer Beeinträchtigung, sondern wegen ihres Potenzials eine öffentliche Plattform verdient haben.

Kulturzyklus Kontrast 2019

«Am besten läuft es mir, wenn ich fröhlich bin», erzählt Thomas an der Eröffnung des 6. Kulturzyklus Kontrast der FHS St.Gallen. Er ist einer der Künstler vom Quimby Huus in St.Gallen. In der sozial agogischen Institution leben und arbeiten Menschen mit einer Körperbehinderung oder Hirnverletzung. Ein Angebot der Tagesstätte ist das Malatelier. Hier schaffen die Künstlerinnen und Künstler Bilder, die ihre Sicht auf die Welt darstellen. «Unsere Bewohnerinnen und Bewohner sind sehr kreativ und talentiert», sagt Cornelia Gross, die Leiterin des Malateliers. Deshalb fragte sie Stefan Ribler, FHS-Dozent Soziale Arbeit, auch direkt an, ob die Werke beim nächsten Kulturzyklus Kontrast ausgestellt werden. Jetzt hängen über 80 Bilder im 1. OG der FHS St.Gallen: die zerbombte Stadt, der nasse Hund, das Kind aus dem Bambus, der Männertraum und viele mehr.

Potenzial statt Beeinträchtigung im Vordergrund

Noch vor ein paar Jahren musste man die Stühle grosszügig platzieren für die 40 bis 50 Personen, die zur Eröffnung der Veranstaltungsreihe kamen. Beim diesjährigen 6. Kulturzyklus Kontrast sieht es anders aus: Die zirka 150 Gäste sitzen und stehen eng beieinander. Das zeigt, dass das Thema in der Gesellschaft angekommen ist, zugleich bestätigt es den Initianten Stefan Ribler, damit einen wichtigen Pflock eingeschlagen zu haben. «Ich war sofort begeistert, als Stefan damals mit der Idee zu mir kam. Weil man diesen Menschen wegen ihres Potenzials und nicht wegen ihrer Beeinträchtigung eine Bühne gibt», sagt Rektor Sebastian Wörwag. Ribler betont diese Wichtigkeit, dass es effektiv um den künstlerischen und nicht um den pädagogischen Hintergrund dabei gehe.

Wie die Bilder im Kopf entstehen

Hanna ist seit August 2018 im Malatelier. Sie ist sowohl im Malen als auch im Schreiben talentiert und kam als externe Klientin von der CP-Schule ins Quimby Huus. Seit kurzem ist sie Bewohnerin. Sie träumt oft in der Nacht, davon bleibt ihr einiges hängen und sie schreibt es auf. «Zudem höre ich täglich Geschichten und so entstehen meine eigenen Geschichten im Kopf». Cornelia Gross sieht die Herausforderung vor allem darin, die Künstlerinnen und Künstler dort abzuholen, wo sie gerade stehen. Im Atelier würden sie aber Mittel und Wege finden, sie zu fördern. Oft haben sie auch schlechte Erinnerungen an den Zeichnungsunterricht in der Schule und probieren einfach mal; einige von ihnen entdecken dabei ungeahnte Ressourcen. Darunter Künstlerinnen und Künstler dieser Ausstellung. Thomas ist aktuell an einem Bild dran, das er von einem anderen Künstler nachmalt. «Aber es wird natürlich anders». Er mag den Impressionismus und Surrealismus. Jedes Jahr gibt es ein neues Thema, das von 2020 weiss er aber noch nicht. «Ich lass mich überraschen». Überraschende Eindrücke bieten alle Werke, die an der FHS ausgestellt sind und bringen den Betrachter dazu, sich mit Kreativität auseinanderzusetzen.

Die Kunstwerke aus dem Quimby Huus sind noch bis zum 3. Dezember an der FHS ausgestellt.

Ausblick

Mittwoch, 6. November 2019, 19.30 Uhr, Film «Immer und ewig».

Donnerstag, 7. November 2019, 19.30 Uhr, Lesung Raúl Krauthausen.

Freitag, 8. November 2019, 19.30 Uhr, Pantomime Christoph Staerkle.

Samstag, 9. November 2019, 19.30 Uhr, Musik mit Graf Fidi.

Weitere Infos zum Programm

Es gibt jeden Abend ein Podiumsgespräch mit den Protagonisten. Beginn jeweils um 19.30 Uhr. Die Veranstaltungen sind öffentlich und finden im Fachhochschulzentrum an der Rosenbergstrasse 59 in St.Gallen statt. Der Eintritt ist gratis. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Patronatsträgerinnen des Kulturzyklus Kontrast sind die Raiffeisenbank St.Gallen und die Firma Redline. Die Übersetzung der Einladung zum Kulturzyklus in «Leichte Sprache» wird vom Amt für Gesellschaftsfragen der Stadt St.Gallen unterstützt. Weitere Unterstützerin ist Migros Kulturprozent.

Text: Nathalie Schoch
Fotos: Bodo Rüedi