Wenn Roboter bei der Berufswahl helfen

Am Girls’Day an der Fachhochschule St.Gallen sind 45 Schülerinnen der Oberstufe Blumenau in die Welt der Technik eingetaucht – sie haben Roboter gebaut, programmiert und im Wettrennen gegeneinander antreten lassen. Zur gleichen Zeit am Boys'Day haben 66 Jungs in sozialen und pflegerischen Berufen Praxisluft geschnuppert. Ziel der beiden Veranstaltungen ist es, geschlechtertypische Klischees bei der Berufswahl aufzubrechen und unterschiedliche Bildungswege in diesen Berufsfeldern aufzuzeigen.

Bei einer Patientenvisite im Spital dabei sein, Menschen mit einer Beeinträchtigung in einer Wohngemeinschaft kennenlernen oder eine Jugendberatungsstelle besuchen – 66 Oberstufenschüler der St.Galler Oberstufe Centrum Blumenau besuchten am St.Galler Boys’Day in Dreiergruppen Praxisorganisationen in sozialen und pflegerischen Berufen und interviewten die Fachpersonen vor Ort. «Ich habe mich eigentlich für einen handwerklichen Beruf entschieden. Falls das nicht klappen sollte, könnte ich mir einen Sozialen Beruf sehr gut vorstellen», sagte einer der Schüler als er seinen Kollegen beim Erfahrungsaustausch an der FHS St.Gallen vom Besuch bei der Stiftung Suchthilfe berichtete. Ihm – und auch den anderen Jungs – hatte Eindruck gemacht, dass in sozialen und pflegerischen Berufen immer der Mensch im Mittelpunkt steht. Überraschend war für sie, dass Männer in diesen Berufsfeldern immer noch stark in der Minderzahl sind. «Im Spital haben wir erfahren, dass es an männlichem Personal fehlt», berichtet die Gruppe, die im Kantonsspital war.

Beim parallel stattfindenden Girls’Day ging es darum, die Mädchen spielerisch an die Technik heranzuführen und ihnen die Hemmungen davor zu nehmen. Unter der Leitung von Esther Federspiel vom Institut für Innovation, Design und Engineering  IDEE-FHS, halfen Studierende und Fachkräfte der FHS weiter, wenn Fragen auftauchten. Die Mädchen hatten beim Bauen und Programmieren der Roboter sichtlich Spass. «Es war ganz einfach», sagte eines der Mädchen und klatschte erfreut in die Hände, als ihr Roboter beim ersten Versuch schon korrekt auf die Befehle reagierte. Zum krönenden Abschluss des Tages liessen die Mädchen ihre Roboter in einem Wettrennen gegeneinander antreten.

Initiative mit verschiedenen Ausbildungsstätten

Eingeladen wurden die Schulklassen von der Trägerschaft der St.Galler Boys’Day-Initiative, welcher neben der FHS St.Gallen folgende Institutionen angehören: der Nationale Zukunftstag, das Berufs- und Weiterbildungszentrum für Gesundheits- und Sozialberufe St.Gallen (BZGS), die Fachmittelschule Gesundheit und Soziales der Kantonsschule am Brühl, die Organisation der Arbeitswelt für Gesundheits- und Sozialberufe SG/AR/AI/FL, die Berufs-, Studien und Laufbahnberatung des Kantons St.Gallen sowie das Kompetenzzentrum Integration und Gleichstellung des Kantons St.Gallen.

«Die Vernetzung der verschiedenen regionalen Ausbildungsstätten sichert eine breite Abstützung der Boys’Day-Initiative», sagte Thomas Knill, Projektleiter und Dozent im Fachbereich Soziale Arbeit der FHS. Ziel des Boys’Day sei es, dass die beteiligten Schüler ihre Berufswahlperspektiven hinsichtlich Sozial- und Pflegeberufen erweitern. Gleichzeitig gibt es einen Austausch mit anderen jungen Männern, denn die Schüler wurden beim Besuch in der Praxis von Auszubildenden und Studenten auf verschiedenen Bildungsstufen (FMS und FHS) begleitet. Beim Girls’Day ging es darum, Einblicke in technische Berufsfelder zu geben.

Nicht nur Träume und Wünsche

Der Boys’Day und der Girls’Day sollen auch einen Input geben, dass sich Schülerinnen und Schüler mit dem bevorstehenden Ausbildungs- und Berufseinstieg auseinandersetzen, betonte Thomas Knill. Im Unterschied zu den etwas jüngeren Teilnehmern des nationalen Zukunftstags seien die Oberstufenschülerinnen und -schüler in diesem Prozess schon viel weiter. «Es geht jetzt nicht mehr nur um Träume und Wünsche, sondern auch um eine realistische Auseinandersetzung mit den eigenen Interessen und Fähigkeiten.» In den Nachmittagsworkshops ging es genau darum: Stephan Kraut von der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung St.Gallen stellte 22 Berufsfelder vor. Die Studentinnen Maike Schröder und Renja Kägi zeigten in ihrem Workshop auf, welche konkreten Tätigkeiten in den unterschiedlichen Bereichen gefragt sind.

St.Galler Boys'Day und Girls'Day

Der St.Galler Boys’Day und der Girls’Day sind eine regionale Ergänzung zum Angebot des nationalen Zukunftstags und finden jährlich statt. Oberstufenschüler und Oberstufenschülerinnen aus dem Grossraum der Stadt St.Gallen erhalten Gelegenheit, Sozial- und Pflegeberufe sowie Technik-Berufe in vielfältiger Art und Weise kennen zu lernen.
Beteiligt sind die FHS-Studiengänge Technik, Soziale Arbeit und Pflege.