Nachhaltigkeit beginnt im Badezimmer

Erstmals fand vergangene Woche die Sustainability Week St.Gallen an der Fachhochschule St.Gallen statt. Sonja Hasler, Projektleiterin der Nachhaltigkeitswoche, zieht Bilanz.

Zahnöl, Shampoo oder Gesichtscreme – ist es wirklich möglich, diese Hygieneartikel nachhaltig und ohne Verwendung von Mikroplastik selbst herzustellen? Ja, wissen die Teilnehmenden des Workshops «Zero Waste im Badezimmer», die ebendiese Kosmetikprodukte vergangenen Donnerstag an der Fachhochschule St.Gallen (FHS) selbst gemischt haben.

Dieser Workshop ist einer von vielen zum Thema Nachhaltigkeit im Sport, die im Rahmen der Sustainability Week St.Gallen – ein hochschulübergreifendes Projekt der Universität St.Gallen (HSG), der pädagogischen Hochschule (PHSG) und der FHS – vergangene Woche durchgeführt wurden. In einem anderen Workshop produzierten die Teilnehmenden etwa Bienenwachstücher und Haargummis (Scrunchies). Dabei wurde täglich auf einen anderen Aspekt im Sport fokussiert: Ernährung, Sportequipment oder Hygieneprodukte (wir berichteten).

«Wir haben unser Ziel erreicht»

Sonja Hasler, Projektleiterin und Studentin an der HSG, zeigt sich zufrieden mit dem Ergebnis der Nachhaltigkeitswoche: «Insgesamt war die Woche ein grosser Erfolg.» Die Workshops, Talks, sportlichen Aktivitäten und Stände an den Hochschulen verzeichneten gesamthaft mehr als 400 Besucher. Während dieser Zeit hätte das Sustainability Week-Team seinen Mitstudierenden viele Aspekte zum Thema Nachhaltigkeit mit auf den Weg geben können: «Unser Ziel, die Menschen aufs Thema Nachhaltigkeit im Sport zu sensibilisieren, haben wir erreicht.»

Die Teilnehmenden lernten etwa, dass vegane Ernährung nicht zwingend nachhaltig ist. «Besser ist es, regionale anstelle importierter Produkte zu beziehen», sagt Sonja Hasler. Ausserdem habe sich gezeigt, dass Firmen mit einem Nachhaltigkeitszertifikat oftmals nicht nur nachhaltig handeln. Dies rühre daher, so die Studentin, dass Nachhaltigkeitszertifikate in unterschiedlichen Nachhaltigkeits-Stufen verliehen werden. «Der Laie achtet sich dieser Unterteilungen nicht, ihm fällt der Unterschied nicht auf.» De facto sei ein Nachhaltigkeitszertifikat nicht automatisch mit Nachhaltigkeit gleichzusetzen.

Wieder auffüllen und selbst herstellen

Während den Talks gab es für die Teilnehmenden immer wieder Inputs, um ihren Alltag nachhaltiger zu gestalten: Leere Seifenbehälter wieder auffüllen, Duschgel selbst herstellen, auf Edelstahl- statt Plastikflaschen setzen – alles simple Massnahmen, die mit wenig Aufwand umgesetzt werden können.

Den Tipp, um nachhaltig zu leben, gibt es laut Sonja Hasler aber nicht. «Am wichtigsten ist, sich überhaupt mit dem Thema auseinanderzusetzen. Nachhaltigkeit wird von jedem Menschen anders definiert, und es ist unmöglich, zu 100 Prozent nachhaltig zu leben.» Trotzdem appelliert sie, sich beim Kauf von Produkten oder bei der Abfallentsorgung zu fragen, ob man das Gekaufte überhaupt benötigt oder ob das zu Entsorgende einen Wiederverwendungszweck haben könnte.

Chancen für Nachhaltigkeitswoche 2021 stehen gut

Laut Sonja Hasler stehen die Chancen gut, dass auch im nächsten Jahr eine Nachhaltigkeitswoche in St.Gallen stattfinden wird. Die Wahrscheinlichkeit sei gross, sie auch im Jahr 2021 als Kooperationsprojekt der drei Hochschulen durchzuführen, denn in der interhochschulischen Zusammenarbeit liege grosses Potenzial: «Dadurch, dass sich dieses Jahr das Team aus Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen zusammengesetzt hat, konnte das Thema Nachhaltigkeit aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet werden.» Dies wiederspiegle sich auch in der Vielfältigkeit des diesjährigen Angebotes.

«Ausserdem war die Zusammenarbeit der Uni und den zwei Fachhochschulen erfolgreich, die Reichweite enorm. Ich sehe eine grosse Chance, durch solche gemeinschaftlichen Projekte die Hochschulen noch stärker miteinander zu verbinden», sagt die Studentin. Der definitive Entscheid über die Durchführung einer Sustainability Week St.Gallen im Jahr 2021 steht allerdings noch aus.

Text: Jasmina Henggeler
Bilder: PD