«In Russland brauchen Veränderungen mehr Zeit»Interview mit Markus Vontobel

Die Bühler AG hat zusammen mit ihrer Tochterfirma in Moskau am interdisziplinären KTI-Projekt der Fachhochschule St.Gallen (FHS) über die interkulturelle Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Russland mitgemacht. Im Interview spricht der General Director von Bühler AG in Moskau, Markus Vontobel, über die russische Kultur und ihre Auswirkungen auf das Geschäftsleben.

Interview: Marion Loher

Herr Vontobel, wo sehen Sie in der Organisationskultur die grössten Unterschiede zwischen der Schweiz und Russland?

Markus Vontobel: Generell wird in allen europäischen Zeitungen sehr negativ über Russland berichtet. Das schlägt sich auch auf die Meinung des Zusammenarbeitens in und mit unserem Markt aus. Ein grosser Unterschied zwischen der Schweiz und Russland ist der Faktor Zeit beim Entscheiden und etwas verändern wollen. In Russland braucht es viel mehr Zeit. Insbesondere Entscheidungen werden oft hinausgezögert. Dies im alltäglichen Leben im Büro, aber auch mit Kunden. Ich würde mir mehr positives Denken, Unterstützung und Akzeptanz gegenüber der russischen Kultur wünschen. Ich habe in meinen fast 15 Jahren hier in Moskau sehr viel Positives erlebt, und ich möchte keine Minute dieser Zeit missen.

Wie aber wirken sich die kulturellen Unterschiede auf ein Unternehmen aus?

Vontobel: Man muss seine Partner und die hiesigen Gesetze akzeptieren und soweit wie möglich und rechtlich erlaubt an die Schweizerischen anpassen und erfüllen. Dadurch werden Ziele oft zeitlich nach hinten verschoben und Geschäfte können nicht im Zeitplan umgesetzt werden.

Wie können diese Differenzen überwunden werden?

Vontobel: Mehr Dialoge auf gleicher Ebene führen.

Haben kulturelle Unterschiede finanzielle Auswirkungen auf ein Unternehmen?

Vontobel: Ganz bestimmt, zum Beispiel beim zeitnahen Anpassen von russischen Normen und Lieferpapieren sowie beim Vertrauen in die Partner, mit welchen wir Geschäfte machen.

Markus Vontobel

ist General Director der Bühler AG in Moskau. Im Interview erzählt er, warum das interdisziplinäre Projekt mit der FHS St.Gallen über die interkulturelle und unternehmenskulturelle Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Russland so gelungen ist.

Sie und Ihr Team in Moskau haben am Projekt der FHS mitgemacht. Welche Lehren schliessen Sie daraus?

Vontobel: Wir haben einige Punkte herausgefunden, die wir verbessern können und bei denen wir direkt Einsparungen machen werden.

Wie war die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit dem Forschungsteam der FHS?

Vontobel: Es waren immer super Diskussionen auf gleicher Höhe und kritisch-berechtigte Fragen, auf die wir nun aufbauen können.

Würden Sie bei einem solchen Projekt wieder mitmachen?

Vontobel: Jeder Zeit und ich bedanke mich ganz herzlich beim ganzen Team für den Input und die Geduld, die sie mit uns hatten.